Kommt es häufig vor, dass ein Investment trotz vielversprechender Zahlen platzt?
Ja, das kommt vor. Wenn zum Beispiel ausgerechnet in der Zeit der Verhandlungen das Wachstum abflacht oder ein wesentlicher Lieferant oder Kunde kündigt – dann können Investoren auch in letzter Minute noch abspringen.

Bei aller Vorsicht steht derzeit gerade auf dem US-Markt eine Menge Kapital für Investments zur Verfügung. Wie kritisch ist der Blick wirklich?
Exzellente Firmen erhalten nach meiner Erfahrung acht bis 15 Angebote von potenziellen Kapitalgebern. Für diese Firmen, um die sich alle schlagen, zahlen Investoren heute höhere Bewertungen als noch vor zwei Jahren. Das heißt, die erfahrenen Investoren gehen tief in die Analyse, um die hochqualitativen Unternehmen zu identifizieren. Für die weniger erfolgreichen Start-ups ist es weiterhin schwierig, Kapitalgeber zu finden – auch, wenn momentan viel Geld im Markt ist.

Den deutschen Gründern gelingt es offenbar immer häufiger, die US-Investoren zu überzeugen. Woran liegt das?
In der Vergangenheit waren alle zufrieden, wenn eine deutsche Firma für 150 bis 300 Millionen Euro verkauft wurde. Für US-Investoren wird es allerdings erst bei Bewertungen ab 500 Millionen Euro richtig interessant. Mittlerweile gibt es in Deutschland viele Gründer, die lange Zeit nicht verkaufen, sondern an Bord und investiert bleiben, um substanzielle Unternehmen aufzubauen. Ein Beispiel ist das Berliner Fintech SumUp, das mit einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro als sogenanntes Unicorn mit einer errechneten Bewertung von über eine Milliarde gilt. Vor zehn Jahren hätten solche deutsche Gründer schon längst ihre Firma verkauft. Dazu kommt, dass heute mehr Seriengründer tätig sind, die Erfahrung mitbringen und es verstehen, Firmen schneller zu skalieren. Fälle wie Data Artisans und Teamviewer haben gezeigt, dass sich Unternehmen hierzulande nicht nur aufbauen, sondern auch komplett oder teilweise sehr gut verkaufen lassen. Das deutsche Tech- und Digital-Ökosystem und die Exit-Möglichkeiten werden von internationalen Finanzinvestoren geschätzt.