An zweiter Stelle steht das „Smart Farming“. Diese Start-ups konstruieren sowohl Hardware in Form von Drohnen (16 Prozent der Vakanzen) oder Robotern (7 Prozent), als auch Software für Sensor- und Messtechnik, Bilderkennung oder Machine-to-Machine- Kommunikation (16 Prozent). Drittens wächst der Bereich „Crop Science and Soil Tech“ stark. Dabei geht es um das Düngermanagement, das sich mit biologischen Inputfaktoren und der Behandlung von Saatgut und Böden beschäftigt (15 Prozent der offenen Stellen).

Altmodische Regeln machen Start-ups das Leben schwer

Allerdings werden AgTechs immer noch häufig Steine in den Weg gelegt, weil bestehende Gesetze und Regeln beispielsweise hinsichtlich Förderprogrammen sich eher an der Landwirtschaft des letzten Jahrhunderts orientieren als am Digitalzeitalter. So sind etwa strenge Kriterien der Bonitätsprüfung wie etwa ein hoher Eigenkapitalanteil der Projektausgaben bis zum letzten Tag der Projektlaufzeit oft nur mit Schwierigkeiten – oder im schlimmsten Fall gar nicht – für Start-ups erfüllbar. Dazu kommt, dass heute Landwirte die Daten aus ihrer Betriebssoftware nicht nutzen können, um etwa Meldungen oder Agraranträge an die zuständigen Behörden zu senden. Stattdessen müssen die Angaben in der Regel händisch abgetippt werden. Es fehlt am Willen der zuständigen Ämter ihre Antragssoftware mit sicheren und offen dokumentierten Schnittstellen auszustatten, damit Softwarehersteller den entsprechenden Zugang integrieren können. Um solche Projekte voranzutreiben, wäre ein Ansprechpartner für Start-ups im zuständigen Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft eine große Hilfe.

Mehr Sichtbarkeit für Gründungen aus der Landwirtschaft

Ein solcher Start-up-Beauftragter könnte die Interessen von Start-ups bei Gesetzgebungsverfahren, bei Ausschreibungen, und bei der Einbindung in Projekte des Ministeriums gewährleistet. Und er könnte sich auch für einen Gründungswettbewerb im Agrarbereich stark machen, wie es ihn in vielen anderen Branchen längst gibt. Wir brauchen mehr Sichtbarkeit für technologiebasierte Gründungen aus der Landwirtschaft, zum anderen könnte eine solche Auszeichnung für Landwirte und Industriepartner als Qualitätssiegel angesehen werden und damit zu mehr Vernetzung in der Branche führen, die wir dringend brauchen.

Während heute Drohnen über dem Feld noch für Stirnrunzeln sorgen und Projekte wie Video-Identifikation von Kühen exotisch wirken, werden schon in wenigen Jahren digitale Technologien die Landwirtschaft prägen – und dafür sorgen, dass es auch weiterhin eine regionale und umweltschonende Landwirtschaft in Deutschland gibt. Mit AgTechs kann es uns gelingen, dass diese Lösungen hierzulande entwickelt werden. Diese Chance sollten wir nicht verstreichen lassen.

Um AgTechs auf der politischen Bühne Gehör zu verschaffen, veranstaltet Bitkom am 15. Januar ein Gründerfrühstück mit Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner in Berlin. Das Thema unter anderem: Experimentierfelder für neue digitale und digitalgestützte Anwendungen in der Landwirtschaft.