Die Pandemie verändert unsere Art sich zu bewegen, doch Jenny Boldt ist überzeugt: Die Zukunft der Mobilität ist digital, vernetzt und autonom.

Montag ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. Heute schreibt Jenny Boldt. Die studierte Wirtschaftsingenieurin ist Leiterin Startups beim Branchenverband Bitkom und dort für die Initiative „Get Started” verantwortlich. Erfahrung in der Szene sammelte sie auch mit der Gründung eigener Unternehmen.

Eine sinkende Anzahl an Geschäftsreisen, wenig Fernreisebusse auf der Autobahn, gestrichene Urlaubsflüge, stornierte Städtereisen. Und weil Clubs und Bars geschlossen haben, sind auch abends viel weniger Leute unterwegs als sonst: Die Corona-Pandemie verändert seit Monaten unsere Mobilität. Gerade für Start-ups, deren Geschäftsmodell darauf fußt, uns besser, schneller oder umweltschonender von A nach B zu bringen, ist das ein harter Schlag. Umsätze brechen weg, das Wachstum stagniert und manche Investoren werden unruhig. Dabei steht eines fest: Die digitale Mobilitätswende ist nicht aufzuhalten.

Deutsche sind offen für Innovationen in Sachen Mobilität

Fragt man die Bundesbürger, wie es der Digitalverband Bitkom gerade getan hat, sagt mehr als jeder Dritte, dass er gerne Ride-Pooling nutzen würde, also einen Anbieter wie CleverShuttle, Moia oder Berlkönig, der mehrere Fahrgäste mit einem ähnlichen Ziel zusammenbringt und so günstiger und umweltverträglicher transportiert. Jeder Fünfte hätte Interesse per App einen Ride-Hailing-Dienst wie Uber zu ordern, der als Alternative zum klassischen Taxi verkehrt. Ebenso viele möchten E-Scooter für kurze Fahrten ausleihen. Das ist ein riesiges Potenzial für solche Dienste, bei denen die Nutzungszahlen aktuell noch deutlich niedriger liegen – auch deshalb, weil viele von ihnen nur in einigen wenigen Ballungsräumen überhaupt angeboten werden. Und auch der klassische Pkw-Verkehr, der durch Corona eher wieder zugenommen hat, wird sich in den kommenden Jahren weiter verändern. Nicht nur, was den Antrieb angeht, der zunehmend elektrisch sein wird, sondern auch weil (teil-)autonomes Fahren jetzt langsam wirklich auf den Straßen Einzug hält.

Möglich ist das alles nur dank digitaler Technologien, die maßgeblich von Start-ups getrieben werden. So ist zum Beispiel Door2Door ein Vorreiter bei der On-Demand-Mobilität und hilft dabei den öffentlichen Nahverkehr nachhaltiger zu gestalten und Lücken in der Versorgung zu schließen – etwa dort, wo schon lange kein regulärer Linienbus mehr fährt. Das Ziel heißt: individuelle Mobilität ohne eigenes Auto dank digitaler Technologien.

Aufbau innovativer Verkehrsdienste fördern

Wunder Mobility hat eine Lösung für alle Sharing-Anbieter im Mobilitätsbereich entwickelt, egal ob für den Pkw oder Roller. Das Unternehmen will auf diese Weise neuen Playern den Markteintritt deutlich erleichtern. Auch Chargery ist ein Dienstleister für Sharing-Anbieter, die auf Elektromobilität setzen. Das Start-up sorgt mit seinen Services und intelligenten Infrastruktur-Lösungen dafür, dass E-Auto-Flotten geladen oder die Akkus von Rollern und Bikes im laufenden Betrieb ausgetauscht werden, damit Standzeiten reduziert und Sharingflotten möglichst effizient betrieben werden können.

Das Start-up MotionTag weitet den Blick über das einzelne Verkehrsmittel und will den Aufbau von Smart Cities und innovativer Verkehrsdienste fördern, indem es komplexe Daten sammelt und bereitstellt und so die Basis für Entscheidungen liefert. Bei Tracks setzt man auch auf die Macht von Daten, aber ganz konkret auf die der Lkw-Flotte des Unternehmens. Erklärtes Ziel ist es, mit den Erkenntnissen aus der Datenanalyse den Treibstoffverbrauch zu reduzieren. Das senkt die Kosten im Unternehmen, ist aber zugleich auch ein effektiver Beitrag zum Klimaschutz.

Mobilität nich aus den Augen verlieren

Künftig wird aber das Fahrzeug nicht nur Daten für den Eigentümer liefern, sondern die Fahrzeuge werden untereinander kommunizieren, etwa um sich vor witterungsbedingten Gefahrensituationen zu warnen oder wenn das vorausfahrende Fahrzeug Informationen über einen Bremsvorgang sendet. Damit die Fahrzeugdaten bei der Kommunikation aber von unbefugten Dritten nicht abgegriffen werden können, entwickelt Patero spezielle Chips, die die Car-2-X-Kommunikation quantensicher verschlüsseln. Doch bevor die Daten überhaupt übertragen werden können, müssen die Fahrzeuge ihre Umwelt wahrnehmen – insbesondere wenn sie autonom fahren sollen. Blickfeld möchte solchen autonomen Systemen die Augen geben, um die Welt zu sehen. Dazu entwickelt das Start-up die notwendigen Scanning-LiDAR-Systeme und die Detektionssoftware.

Gerade in der Corona-Krise, in der Mobilität nicht immer im öffentlichen Fokus steht, ist es wichtig, dass wir uns immer wieder in Erinnerung rufen: Die Zukunft der Mobilität ist digital, vernetzt und autonom. Damit wir diese Mobilität gestalten können, müssen wir Mobilität neu denken – und das wird nur mit der Unterstützung von Start-ups gelingen. Sie tragen mit ihren Innovationen dazu bei, dass es bei der digitalen Mobilitätswende auch künftig heißt: Move on.

Welche innovativen Mobilitätslösungen Start-ups sonst noch entwickeln, wird sich unter anderem auch beim Start-up-Pitch „The Future of Mobility“ auf der Digital Mobility Conference des Bitkom am 24. November zeigen. Mobility-Start-ups, die aktuell auf der Suche nach Investoren sind, haben zudem die Chance sich als eines von maximal zehn Start-ups für das “Pinot & Pitch” am 15. Dezember zu bewerben.