Ich selbst bin kinderlos und habe vermutlich die selben Einwände und Ängste, die jeder Arbeitgeber bei der Verkündigung einer Schwangerschaft hat: kommt die Kollegin wirklich, wie abgesprochen wieder? Und wie oft wird sie kinderbedingt ausfallen? Werden ihr Mann und ihre Familie sie so unterstützen, wie ursprünglich vereinbart? Und in wie weit wird das Kind die Mitarbeiterin verändern? Während große Firmen, diese Fragen statistisch beantworten lassen, können sie in einem Start-up überlebenswichtig sein.

Warum aber bewirbt sich eine Schwangere überhaupt und sind Schwangere nicht unkündbar? Anne* hat sich nicht beworben. Und ja, ihr drohte die Arbeitslosigkeit nach dem Mutterschutz. Denn die Firma, die sie vor vier Jahren als Prokuristin mitgegründet hat, befindet sich in Liquidation, nicht in der Insolvenz

Ein Risiko für die Firma

Anne und ich kennen uns etwas mehr als ein Jahr. Dadurch, dass wir in der gleichen Stadt und in der gleichen Branche gründeten, begann unser Kontakt als Austausch und endete als Jointventure. Über Monate näherten sich unsere zwei Firmen immer mehr an, wir begannen eine gemeinsame Marketingstrategie zu entwickeln und beschlossen, diese Jahr gemeinsam den Vertriebsweg auf Messen zu fokussieren. Für jede einzelne Firma an sich wäre dieser Vertriebskanal zu kostspielig gewesen, durch die Kooperation konnten wir es realisieren. Wir legten Kataloge neu auf und stemmten gemeinsam die diesjährige Messesaison. Wir sind zusammen durch Deutschland gefahren, haben in Airbnb-Wohnungen gewohnt und seit letztem Spätsommer teilen wir uns auch ein Büro.

Und dann wurde Anne Anfang dieses Jahres schwanger. Während ihr Freund mit Sekt in seiner Firma auf die Neuigkeit anstieß, vermehrten sich die Telkos zwischen Anne und ihrem Geschäftsführer, der von Übersee aus arbeitete. Irgendwie ahnte ich es, wollte es aber nicht wahrhaben, bis Anne eines Tages mit geröteten Augen und den Worten „das wars, wir machen zu“ aus dem Konferenzraum kam.