Bei der Lektüre von Stellenanzeigen stolpert Meike Haagmans immer wieder über den Begriff Co-Founder und ist dabei vor allem eines: Sehr genervt.

Dass die Gründerszene ganz gerne alten Wein aus neuen Schläuchen trinkt, ist bekannt. Vor allem beim Start-up-Sprech wird gerne versucht, die Welt neu zu erfinden. Ein Trendwort, das unbedingt in die Bullshit Bingo Liste auf genommen werden sollte, ist der Begriff Co-Founder. Ich lese ihn momentan in jeder zweiten Stellenanzeige und gewinne den Eindruck, dass die ganze Branche aktuell auf der Suche nach einem – ich wünschte, ich müsste es an dieser Stelle nicht wieder schreiben, aber es bleibt mir nichts anderes übrig – ´Co-Founder´ ist.

Interessant dabei ist vor allem, dass es sich meist um Firmen handelt, die bereits gegründet worden sind, die Umsatz generieren und durch öffentliche Auftritte erste Aufmerksamkeit erzielt haben. Es geht also weniger um die Gründungsphase selbst, sondern vielmehr um Wachstum und Weiterentwicklung. Absolut verständlich also, dass Gründer in diesem Abschnitt Unterstützung suchen. Aber wieso werden so viele Stellen als „Co-Founder“ Stellen ausgeschrieben, wenn die eigentliche Gründung bereits abgeschlossen ist?

Ein Begriff, der in die Irre führt

In meinem Verständnis sind Co-Founder die Menschen, die in Garagen tüftelten, nächtelang gemeinsam am Küchentisch saßen und dabei ihre Businesspläne geschrieben haben. Offensichtlich ist das nicht länger so, es scheint auszureichen, wenn man in der Lage ist eine Bewerbung zu schreiben und abzuschicken.

Ich bin auf das Thema dieser Kolumne gekommen, da ich selber gerade Verstärkung für meine Firma suche. Ich habe Joventour vor sieben Jahren alleine gegründet und stehe nach der Geburt meines Sohnes vor der Herausforderung Business und Familie zu vereinbaren. Ich kann also absolut nachvollziehen, dass Gründer nach Verbündeten und nach Verbindlichkeit suchen. Aber ist der Arbeitsmarkt in Deutschland wirklich so leer gefegt, dass man motivierte Mitarbeiter nur noch mit Unternehmensanteile locken und binden kann? 

Auch stellt sich die Frage: Wenn potentielle Co-Founder (oder Bewerber – wie man sie auch immer nennen mag) bereit sind, für sehr wenig Geld extrem lange und viel zu arbeiten und das vermeintliche Gründergen inne haben, was hält sie dann davon ab selbst zu gründen, statt in ein bereits in See gestochenes Boot aufzuspringen? „Die fehlende Idee“ ist die meist genannte Antwort. Aber ist es nicht der unermüdliche Glaube an die eigene Idee, der Gründer erst zu Hochleistungen auflaufen lässt?

Co-Founder vs leitender Angesteller

Sicherlich klingt die Stellenausschreibung eines Co-Founders spektakulärer und aufregender, als wenn man sich schlicht auf die Suche nach einem ´leitenden Angestellten´ macht, was zugegebenermaßen irgendwie nach spießigem Bürojob klingt. Der Begriff allerdings kann auch schnell falsche Erwartungen wecken, wenn nämlich nicht geklärt ist, wie viel Entscheidungskompetenz, relevantes Mitspracherecht und Einsichten in Unternehmensdaten die angestellten Co-Founder wirklich erhalten.

Ich denke, dass Mitarbeiterbeteiligungen durchaus gute Bindungsmaßnahmen sind, sehe es aber kritisch bei jungen Start-ups. Sicherlich ist es eine gute Möglichkeit schnell und günstig an gutes Personal zu kommen, ob die Lösung allerdings nachhaltig ist, bleibt offen, denn ich bin überzeugt davon, dass es immer nur den einen Kapitän geben wird. Vielleicht sollten wir also lieber nach Co-Piloten statt nach Co-Foundern suchen, um gemeinsam zu steuern und durchzustarten, wohl wissend aber, dass die letzte, schlussendliche Entscheidung aber immer beim Commander liegen wird.