Gründer müssen nicht studieren, doch in Frankfurt kann man bald einen FinTech-Studiengang belegen. Eine gewagte Idee, findet unser Autor.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute ist Julian Heck an der Reihe. Er ist Journalist und auf medienjournalistische und digitale Themen spezialisiert und beleuchtet für uns die boomende Fintech-Branche.

Muss man als Gründer überhaupt studiert haben? Die Antwort darauf ist ein klares Nein. Es gibt schließlich niemanden, der das zur Voraussetzung macht. Gründer sind ihre eigenen Chefs und dabei ist es zunächst egal, ob sie ein Studium haben, eine Ausbildung – oder keines von beidem. Gründen ist definitiv auch ohne einen Hochschulabschluss möglich.

Die andere Frage ist, ob ein Studium sinnvoll ist. Und da gehen die Meinungen deutlich auseinander. Hier kommt es sicherlich darauf an, in welchem Bereich man gründet. Schauen wir uns bei FinTech-Gründern um, sehen wir: Ein Studium ist Standard. Philipp Kriependorf zum Beispiel, Mitgründer von Auxmoney, hat BWL studiert. Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal, die beiden Gründer von Number26, können ein Studium in Accounting & Finance bzw. BWL, Internationales Management und Jura vorweisen. Und auch die GetSafe-Gründer Christian Wiens, studierter Wirtschaftsingenieur, und Marius Blaesing, studierter Physiker, haben eine Universität besucht – und anschließend erfolgreich gegründet.

Geringe Resonanz auf Vorschlag

Die meisten haben zudem einen Finanz-Hintergrund. Braucht es jetzt noch mehr? Wenn es nach der FinTech Group geht, dann schon. Vor einigen Wochen war schon zu hören, dass sie einen FinTech-Studiengang anvisiert. Auf Nachfrage bei einigen Gründern von erfolgreichen FinTech-Start-ups war die Resonanz darauf eher gering. Die meisten von ihnen sahen darin keinen wirklichen Bedarf. Lediglich mit einzelnen Kursen oder Schwerpunkten konnten sich einige anfreunden.

Trotzdem hat die Frankfurt School of Finance & Management jetzt bekanntgegeben: Ab dem kommenden Wintersemester wird es den dualen Bachelor-Studiengang Business Administration mit dem Schwerpunkt „Digital Innovation and FinTech“ geben – und die FinTech Group ist als erster Partner an Bord. 20 Studenten bekommen die Hälfte der Studiengebühren erstattet und sie können bei der FinTech Group nebenbei ein Trainee absolvieren.

Ein FinTech-Studium also. Es soll eine Mischung aus Bankwesen, Programmierung und Marketing darstellen und vor allem künftige Gründer anziehen. Wir dürfen gespannt sein, ob die Strategie aufgeht. Gewagt ist es allemal, einen Studiengang mit einer derartigen Nische aufzuziehen und sich hier wiederum auf potentielle Gründer zu fokussieren.

Bei dem Gedanke daran entstehen mehr Fragen als Antworten: Wissen Abiturienten wirklich schon, ob sie später in der FinTech-Branche arbeiten wollen? Und falls ja, ob sie ein Start-up gründen wollen? Kann man in einem Studium überhaupt lernen, was einen später in der Praxis erwartet? Ist das im Studium Gelernte später nicht schon wieder altes Zeug von gestern – besonders im Bereich der Technologie? Ist jetzt schon absehbar, wohin die Reise in der FinTech-Branche gehen wird?

Anzahl der Gründer könnte steigen

Die Fragen kann wohl niemand endgültig beantworten. Wir werden abwarten müssen, wie die Situation in vier Jahren aussieht. Dann haben nämlich die ersten FinTech-Studenten ihren Abschluss und konkurrieren mit denjenigen, die bloß normale BWL, Wirtschaftsinformatik oder etwas ganz anderes studiert haben. Vermutlich werden sie sich davon nicht abhalten lassen, ebenfalls ein FinTech-Unternehmen zu gründen. Vermutlich sind sie auch genauso erfolgreich oder nicht erfolgreich.

Was man sich vom Frankfurter FinTech-Studiengang dennoch erhoffen kann, ist, dass es mehr – nicht bessere – junge Menschen gibt, die den Mut und das Know-how haben, ein Start-up in einer Branche zu gründen, die sich gerade grundlegend wandelt.