Im Wettbewerb um Fachkräfte überbieten sich Start-ups mit Angeboten – und locken Mitarbeiter etwa mit Beteiligungen. Doch die Regeln dafür sind noch zu kompliziert, kritisiert Niklas Veltkamp.

Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer: Heute schreibt Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsführung beim Branchenverband Bitkom und dort für Start-ups zuständig.

An Ideen für Start-ups hat es in Deutschland noch nie gefehlt und auch beim Thema Finanzierung hat sich in den vergangenen Jahren vieles zum Besseren verändert. Hört man sich um, so ist die größte Sorge der Gründer etwas ganz anderes: die besten Mitarbeiter zu finden und zu binden. Angesichts eines sich zuspitzenden IT-Fachkräftemangels und dem daraus resultierenden Wettbewerb um qualifiziertes Personal gilt die Personalplanung und -rekrutierung für viele Start-ups inzwischen als mit Abstand größte Herausforderung.

Mehr als 700 CEOs, Gründer, Investoren und Mitarbeiter europäischer Start-ups haben einen kürzlich veröffentlichten offenen Brief unterschrieben. Sie fordern eine engere Zusammenarbeit von Politikern, Investoren und Unternehmern, um mehr Talente für europäische Start-ups zu gewinnen. Als ein geeignetes Werkzeug wird in dem Brief auf die Bedeutung von Mitarbeiterbeteiligungen für den europäischen Wirtschaftsstandort verwiesen.

Und hier muss in der Tat vor allem Deutschland aufholen: In einem aktuellen Vergleich von Index Ventures bei der Förderung von Mitarbeiterbeteiligung landet Deutschland gar auf dem vorletzten Platz der 22 untersuchten europäischen Länder.

Virtuelle Beteiligungen sind auch keine echte Lösung

Da die momentanen Beteiligungsmodelle mit zu viel administrativem Aufwand und zu wenig steuerlicher Attraktivität kaum Vorteile für Start-ups bringen, greifen viele von ihnen auf sogenannte virtuelle Beteiligungen zurück. Dabei wird mit den Mitarbeitern eine Vereinbarung getroffen, die diese nicht wirklich am Unternehmen beteiligt, aber dafür sorgt, dass sie im Exit-Fall wie Miteigentümer behandelt werden. Aber selbst diese Variante ist angesichts eines fehlenden rechtlichen Rahmens und einer hohen Steuerbelastung nur wenig attraktiv. Dabei könnten wie so oft einfache Maßnahmen die Rahmenbedingungen zur Mitgliederbeteiligung schnell und effizient verbessern.

Ein erster Ansatzpunkt wäre eine drastische Erhöhung des momentan viel zu niedrigen Steuerfreibetrags für Mitarbeiterbeteiligungen von 360 Euro auf mindestens 5.000 Euro jährlich. Damit die Beteiligung nicht zum Verlustgeschäft für Mitarbeiter wird, sollte die Steuerlast – wie etwa in den USA üblich – vom Zeitpunkt der Anteilsübertragung auf den Zeitpunkt des Verkaufs der Anteile verschoben werden.

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