Oder ist es schlichtweg ein Spiegelbild unserer Kultur? Anscheinend hatte schon Schopenhauer erkannt, dass „in Deutschland… die höchste Form der Anerkennung der Neid“ ist. Warum fällt es uns leichter etwas zu kritisieren, als zu zeigen, dass wir es mögen? Ich glaube, in keinem anderem Land wird so sehr gezögert den Like-Button von Facebook zu drücken, wie in Deutschland.

Wer letzte Woche die Re:publica verfolgt hat, kam an Kübra Gümüşays Talk nicht vorbei. Die junge Journalistin plädierte genau für den oben genannten Punkt: mehr „organisierte Liebe“ im Netz, denn der Hass sei schon organisiert. „Es ist so einfach online Menschen zu entmenschlichen“, sagt sie, ruft zu mehr Empathie auf und fordert, dass wir keineswegs unkritisch sein sollen, aber ehrlich.

Ich schreibe diese Kolumne nicht, um allseits beliebt sein. Kolumnen sind Meinungsthemen und diese sind so vielfältig, wie die Leser selbst. Natürlich werde ich immer wieder mit meinen Einstellungen anecken, aber, wie Kübra Gümüşay sagte: bitte ehrliche Kritik.

Bevor wir das nächste Mal den Finger heben, sollten wir kurz über unsere Intention nachdenken, denn “when you point one finger, there are three fingers pointing back to you.” (bekanntes Sprichwort). Es wäre doch schade, wenn Ignorieren als einzige Lösung existieren würde.