Reihenweise gründen Konzerne Acceleratoren. Doch gründungsfreudigen Mitarbeitern wird mitunter das Leben schwer gemacht, ärgert sich Meike Haagmans.

Mittwoch ist Kolumnentag bei WiWo Gründer: In ihrer Kolumne beschäftigt sich Meike Haagmans, Flugbegleiterin und Gründerin, damit, wie sich ihre beiden Leidenschaften vereinen lassen. Wenn sie nicht gerade bei uns schreibt, bloggt Meike Haagmans über ihre Erfahrungen mit ihrem Reiseveranstalter Joventour und gibt auf ihrer Webseite viele Tipps für nebenberufliche Gründer.

Normalerweise schenke ich Instagram keine große Aufmerksamkeit. Aber letzte Woche war es anders. Ein Post von Franziska von Hardenberg, Gründerin von Bloomy Days, ließ meinen Finger beim Scrollen anhalten. Unter ein Foto von einem Workshop schrieb sie: „Die letzten zwei Tage habe ich einen Workshop mit dem Team von #beyond1435 #intrapreneurship geleitet… Das #beyond1435 Programm ermöglicht @deutschebahn Mitarbeitern, mit Hilfe von Coachings, Workshops, Experten und auch Finanzierung ein eigenes Unternehmen zu gründen. Ziemlich cool!“

Ich muss der Berlinerin Recht geben: Ja, das ist ziemlich cool! Und doch fühlte sich der Post wie ein Stich ins Herz an. Denn er erinnerte mich daran, dass meine eigenen Erfahrungen leider ganz andere waren.

Vor sechs Jahren habe ich nebenberuflich Joventour gegründet und bin weiterhin in Teilzeit als Flugbegleiterin geflogen. Ich liebe das Fliegen – schon immer. Ich möchte es in meinem Leben nicht mehr missen. Aber trotzdem entwickelte sich nach einigen Jahren im Konzern der Drang, Eigenes zu kreieren. Also habe ich gegründet. Allerdings war meine Airline, im Vergleich zu der Deutschen Bahn, nicht sonderlich erfreut über diesen Schritt.

Mahnender Anruf vom Chef

Ich bekam ich einen Anruf von meinem disziplinarischen Vorgesetzten. Er mahnte: Die Gründung und meine Arbeitnehmerrolle bei der Airline müsse ich klar voneinander trennen. Der Auslöser dieses Gespräches war eine Anfrage der Wirtschaftswoche in der Presseabteilung, ob man ein Bild von mir in Uniform veröffentlichen dürfe. Die Antwort war eindeutig: Beide Tätigkeiten dürfen nicht vermischt werden. Verstanden.

Je länger ich fliege, umso mehr Kollegen lerne ich kennen, die „nebenbei“ ein Business aufbauen. Das reicht von einem Piloten, der für Besatzungen eine soziale Plattform programmiert, geht über Kollegen, die mit Food-Start-ups bereits gute sechsstellige Umsätze erwirtschaften, bis zu erfolgreichen Influenceren, die bei Fotos am Flughafen jedes Mal das Firmenlogo weg retuschieren. Obwohl die meisten von uns inzwischen von den „Nebeneinkünften“ leben könnten, tut es kaum jemand. Denn die Faszination Fliegen lässt nur die wenigsten los.

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Mitarbeiter und Unternehmer: Eigentlich ist das auch für Arbeitgeber eine ideale Kombination. Zum einen hält uns die Leidenschaft für unsere Tätigkeit im Unternehmen, zum anderen können wir als Gründer Arbeitgeberproblematiken gut nachvollziehen. Und doch erlebe ich immer wieder eine Art Skepsis vor dem internen Unternehmertum. Ich frage mich: Wo kommt diese her? Steckt dahinter eine Angst vor Veränderung?

Große Unternehmen gründen reihenweise Labs und Acceleratoren, um eingefahrene Konzernstrukturen aufzubrechen und Innovationen voranzutreiben. Umso verwunderlicher ist, dass erst wenige Firmen das Potenzial ihrer eigenen Mitarbeiter für diese Prozesse nutzen. Dabei kann man viel von internen Gründern lernen: zum Beispiel, dass die Angst vor Veränderung zu nichts führt.

Anlässe über die Deutsche Bahn zu schimpfen, gibt es viele. Mit der Ende 2016 gegründeten VC-Einheit und dem Intrapreneurship-Programm gibt der Konzern aber ein gutes Bild ab. Die Bahn nutzt so nicht nur das Know-how ihrer weltweit über 300.000 Mitarbeiter, sondern schafft durch eine Selbstverwirklichungsoption auch ein Mitarbeiterbindungstool. Smart würde ich sagen – oder wie Franziska von Hardenberg es ausdrückte: „Ziemlich cool!“