Die Hamburger Unternehmensgruppe richtet einen Company Builder ein. Mit einem Fokus auf die Produktion sollen künftig jedes Jahr zwei bis drei Ausgründungen entstehen. Körber will dabei die volle Kontrolle über die neuen Start-ups behalten.

Pharma, Lieferketten, Tabak, Gewebestoffe – und Digital: Die Hamburger Unternehmensgruppe Körber hat den digitalen Entwicklungen einen gleichberechtigten Geschäftsbereich gewidmet. Noch trägt die Sparte mit gut 150 Mitarbeitern von insgesamt 10.000 Mitarbeitern sicher nicht entscheidend zu den etwa zwei Milliarden Euro Umsatz bei, die die Körber AG für 2019 auswies. Perspektivisch soll sich das ändern.

Auch durch eine strategische Neuausrichtung: Körber Digital tritt künftig als Company Builder auf, wie WirtschaftsWoche Gründer vorab erfahren hat. „Wir sind nicht das Speedboat fernab des Konzerns, sondern wollen zukünftige Geschäftsfelder aufbauen“, sagt Körber-Digital-Geschäftsführer Daniel Szabo.

Datenanalyse für die Maschinenparks

Zwei bis drei Start-ups soll die Einheit künftig pro Jahr ausgründen. Ein Thema steht dabei im Fokus: Datenanalysen und Software für existierende Maschinenparks in der Industrie. „Wir sehen da ein riesiges Potenzial für die produzierende Industrie, die Effizienz der Anlagen zu steigern“, sagt Szabo. Die Anregungen sollen dabei aus dem Netzwerk der Unternehmensgruppe selbst kommen. In einer ersten Runde sammelte Körber Digital unter den Geschäftskunden der Tochterfirmen etwa 50 Ideen für neue digitale Produkte ein.

An einigen Ideen wurde weitergearbeitet. Die Idee: Gemeinsam mit einem Unternehmen wird die Lösung für ein Problem in der Produktion entwickelt. Die so entstandene Softwarelösung soll dann aber auch andere Firmen verkauft werden. Bald könnte die erste Ausgründung offiziell vorgestellt werden, kündigt Szabo im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer an.

Als Company Builder will Körber Digital dabei künftig die ersten Schritte hin zu einer Ausgründung beschleunigen. Die Spezialisten für die Ideenfindung, die Programmierung oder auch die Nutzerführung sollen bei einer zügigen Entwicklung helfen. Dazu kommt dann ein externes Team, das die unternehmerische Führung des neuen Start-ups übernehmen soll.

Company Builder wechselt die Perspektive

Die Körber AG wuchs in der Vergangenheit durch die Übernahme zahlreicher, häufig familiengeführter, Unternehmen. Auch an Tech-Start-ups wie 3D-Drucker-Hersteller BigRep hatte sich Körber in der Vergangenheit bereits beteiligt. Als Company Builder dreht die Digitaleinheit diese Logik jetzt um: Aus den kleinen Start-ups sollen nach und nach ernstzunehmende Unternehmensteile entstehen.

Damit schlägt die Gruppe einen neuen Weg bei der Innovationsentwicklung ein. Ganz ähnlich macht es Heizungsbauer Viessmann, der seit einigen Jahren den eigenen Company Builder WattX unterhält. Daneben gibt es eine ganze Reihe an Agenturen, die sich auf das Company Building spezialisieren. Manche – wie Finleap oder Merantix – spezialisieren sich auf bestimmte Themen oder Technologien und suchen für jedes Start-up passende Partner. Andere arbeiten mit Konzernen und größeren Mittelständlern. Vergangene Woche startete etwa der Münchener Dienstleister Mantro ein neues Projekt mit einer Sparte von Thyssenkrupp.

Volle Kontrolle über die eigenen Gründungen

Ein Unterschied: Manche eigenständigen Company Builder gehen mit ins Risiko und beteiligen sich an Co-Gründungen. Körber will erst einmal 100 Prozent an seinen Start-ups halten. Erst später in der Wachstumsphase könnten eventuell externe Investoren dazukommen. Man wolle weder finanzielle noch strategische Investoren prinzipiell ausschließen, sagt Szabo. Nach etwa eineinhalb Jahren auf dem Markt sollen die neuen Start-ups daraufhin überprüft werden. Manche Innovationsexperten sehen ein solches Vorgehen kritisch: Wenn ein intern gegründetes Start-up die Umsätze einer existierenden Unternehmenssparte angreift, sind Konflikte oft vorprogrammiert.

Frühe Mitarbeiter von neuen Körber-Start-ups sollen dennoch auch unternehmerisch beteiligt werden. Weil ein lukrativer Verkauf nicht unbedingt das Ziel ist, rücken andere Meilensteine in den Fokus, um die Wertsteigerung zu messen. „Wir optimieren erst einmal darauf, ein stabiles Geschäft zu bauen“, sagt Szabo. Ins Profil passen dafür erfahrene Köpfe der Gründerszene, die mit gesicherteren Rahmenbedingungen arbeiten wollen. „Einige haben bereits das Abenteuer Start-up hinter sich – und suchen jetzt etwas mit mehr Sicherheit“, sagt Szabo.