Das Deep-Tech-Start-up aus Gilching bei München will weltweit mehr Kunden erreichen. Finanzieller Anschub kommt unter anderem vom High-Tech Gründerfonds.

Mit einem magnetischen Kühlverfahren für Quantencomputer konnte sich das Start-up Kiutra eine Seed-Finanzierung sichern. Ein siebenstelliger Betrag fließt an die junge Firma mit Sitz in Gilching bei München, wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht. Zur genauen Summe will sich Gründer und Geschäftsführer Alexander Regnat auf Anfrage von WirtschaftsWoche Gründer aus strategischen Gründen nicht äußern.

Kiutra arbeitet an einer massentauglichen Lösung, um empfindliche Sensoren, hochleistungsfähige Computer und Kommunikationstechnik auf Temperaturen nahe des absoluten Nullpunktes bei –273 Grad Celsius herunterzukühlen. Die extreme Kühlung ist notwendig, um die volle Leistung der Technik zu erreichen. Statt dem seltenen Flüssiggas Helium 3 nutzt das Start-up dafür Magneten und Strom. Mit dem Verfahren will sich Kiutra als eine Basis-Technologie für den Quantentechnologie-Markt etablieren.

Fokus auf globalen Vertrieb

Das Gründerteam aus Alexander Regnat, Jan Spallek, Tomek Schulz und Christian Pfleiderer richtet sich mit seinem Angebot an Wissenschaft und Industrie. Um weltweit mehr Kunden gewinnen zu können, kommt finanzielle Unterstützung vom Hauptinvestor High-Tech Gründerfonds (HTGF). „Die Helium-3-freie Kühltechnologie von Kiutra ist nicht nur für Wissenschaft und Forschung spannend, sondern erlaubt auch eine industrielle Verbreitung von Quantentechnologien“, lässt sich Christian Ziach, Investment-Manager beim HTGF, in einer Presseinformation zitieren.

Kapital liefern neben dem halbstaatlichen Frühphaseninvestor auch der auf Deep Tech spezialisierte Risikokapitalgeber Apex Ventures sowie die „Initiative for Industrial Innovators“ von UnternehmerTUM, des Gründerzentrums der Technischen Universität München (TUM). Die Initiative erhält Zuschüsse von der Europäischen Union, unter anderem aus Töpfen der Horizon-2020-Finanzinstrumente und der Europäischen Partnerschaft für strategische Investments („EFSI“).

Deep Tech zieht immer mehr Kapital an

Das Start-up hofft auf Unterstützung der Investoren beim internationalen Wachstum: „HTGF, Apex und UnternehmerTUM werden uns helfen, die Marke Kiutra international sichtbarer zu machen und unsere Technologie auf das nächste Level zu bringen“, so Kiutra-Geschäftsführer Regnat. Das 2018 gegründete Spin-Off der TU München beschäftigt derzeit insgesamt acht Mitarbeiter an Standorten in München und Oberpfaffenhofen.

Zu den sogenannten Deep Techs werden junge Unternehmen gezählt, die an technologischen Disruptionen arbeiten –  beispielsweise an Werkstoffen der Zukunft, Blockchain, Robotik oder Quanten-Computing. Die Investitionen in Start-ups aus den Bereichen haben sich laut einer Untersuchung der Unternehmensberatung BCG in den vergangenen drei Jahren verdoppelt.