Corona treibt die Digitalisierung im Bildungsbereich voran. Investoren unterstützen diese Entwicklung und stecken Millionensummen in Ed-Tech-Start-ups.

Zu trocken, zu theoretisch, eine altmodische Didaktik und ein wenig zielführender Aufbau des Studiengangs: Wer ehemalige Jurastudenten fragt, was sie an ihrem Studium nicht mochten, bekommt diese Antworten oft zu hören. Kein gutes Zeugnis also für das traditionsreiche Fach und so verwundert es nicht, dass 24 Prozent aller Studierenden ihr Studium vorzeitig abbrechen. Damit liegt der Wert  liegt zwar deutlich unter den Studienabbruchquoten von 32 Prozent, die im Bachelorstudium an der Tagesordnung sind, fällt aber weitaus höher aus in anderen Studiengängen, die mit einem Staatsexamen abschließen, wie Humanmedizin oder Lehramts-Studiengänge.

Auch Christian Leupold-Wendling und Carl-Wendelin Neubert, selbst studierte Juristen, können sich der Kritik nur anschließen: Die Studierenden bekämen während des Studiums zu wenig Feedback zu ihrem Leistungsstand, die Methodik sei veraltet, sagen sie. Ihr Fazit: „Jura-Lernen ist oft einsam, linear und zäh, Jura-Lehrbücher gleichen oft Textwüsten.“

Microlearning trifft auf Gamification-Ansatz

Mit ihrer 2018 an den Start gegangenen App Jurafuchs wollen sie diesen Zustand ändern und den Studierenden das Lernen erleichtern. Dazu setzen sie auf sogenanntes ´Microlearning´: Juristische Inhalte zu Lehrbuchfällen und aktueller Rechtsprechung werden in kleinen Dosen vermittelt. Der Stoff ist kurz wie ein Tweet, eine Einheit darf maximal 280 Zeichen haben. Die sollen sich die Nutzer dafür bestenfalls täglich zu Gemüte führen. Außerdem setzten die beiden auf einen Gamification-Ansatz, dank dem die Nutzer spielerisch an den Lernstoff herangeführt werden sollen.

Der Ansatz von Jurafuchs ist vielen durch Sprach-Lern-Apps wie ´Babbel´ bekannt und tatsächlich diente diese auch als Vorbild für die Entwicklung von Jurafuchs – Mit-Gründer und CTO Thomas Holl ist als strategischer Berater am Unternehmen beteiligt.

Finanzierung in Millionenhöhe

Ein Konzept, das bei den Nutzern anzukommen scheint – gerade in Zeiten, in denen Präsenzveranstaltungen an der Hochschule nicht möglich sind. Seit Beginn der Corona-Krise im März 2020 haben sich eigenen Angaben zufolge die Umsätze von Jurafuchs verfünffacht. Aktuell nutzten rund 140.000 Nutzerinnen und Nutzern die App, die auf Werbung verzichtet und ab einem Monatsbeitrag von 5,99 Euro zu haben ist. Ende 2020 hat die Friedrich-Schiller Universität Jena als erste juristische Fakultät für alle ihre Jurastudentinnen und -studenten eine Jurafuchs Campus-Lizenz erworben. Und dabei werde es wohl nicht bleiben, sagt CEO und Co-Gründer Christian Leupold-Wendling gegenüber WirtschaftsWoche Gründer. „Wir stehen bereits in Gesprächen mit mehreren Juristischen Fakultäten und zahlreichen Studierendenvertretungen.“

Ein großer Erfolg für das Start-up, das nun zusätzlich eine  Finanzierung in Millionenhöhe verkünden kann: Die IBB Ventures, die unter anderem in Blinkist und Sofatutor investiert ist, und eine Reihe von Unternehmer sowie Sozien angesehener mittelständischer und internationaler Rechtsanwaltskanzleien, haben in das junge Unternehmen investiert: „Die digitale Revolution der Juristenausbildung steht erst am Anfang und digitales Lernen wird bald Standard sein. Jurafuchs ist eine smarte Lösung mit großem Wachstumspotential“, begründet  Stephanie Hundertmark, Partnerin einer international tätigen Großkanzlei ihren Einstieg als Angel-Investorin.

Die genaue Summe wollte  Christian Leupold-Wendling gegenüber WirtschaftsWoche Gründer nicht kommunizieren. Das Kapital werde vor allem für den weiteren Ausbau der Inhalte, die Einstellung neuer Mitarbeiter und die Weiterentwicklung des Produktes eingesetzt werden, so Christian Leupold-Wendling. „Unsere Didaktik, die stark auf Fallbeispiele setzt, ist schneller und effektiver als herkömmliche Methoden und sie funktioniert auch für nicht hauptberuflich juristisch geschulte Zielgruppen wie Polizisten oder Betriebsräte.“ Auch eine Internationalisierung stünde auf dem Plan. 

EdTech-Start-ups sind stark im Kommen

Jurafuchs ist eines von vielen EdTech Start-ups, die durch die Pandemie einen starken Antrieb erfahren haben und vom Trend der Digitalisierung im Bildungsbereich profitieren. So gewann das Darmstädter Start-up Teech Education, das Schulen bei ihrem Weg ins digitale Zeitalter unterstützen will, in den vergangenen Monaten nicht nur zahlreiche neue Nutzer, sondern sammelte auch eine hohe sechsstellige Summe vom Berliner Investor Udo Schloemer ein. DasBerliner Start-up Knowunity blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Auf der Eine Social-Media-Plattform für den Bildungsbereich laden Schüler ihre Lernmaterialien hoch und lassen andere so an ihrem Wissen teilhaben. Die Community werde immer größer, sagt der 19-Jährige Gründer Benedict Kurz, so rangierte die App zwischenzeitlich unter den Top 5 im App Store.