Der TV-Moderator wirbt für einen offeneren Umgang mit Fehlern unter Investoren und Gründern. Im Interview spricht er über seine eigenen Lerneffekte.

Bekannt aus Fernseh-Shows wie „Circus Halligalli“ mit Co-Entertainer Klaas Heufer-Umlauf, ist Joko Winterscheidt seit Jahren auch als Gründer und Investor aktiv. Zu seinen jüngsten Beteiligungen gehört das Münchener E-Bike-Start-up Sushi, zudem steckte er bereits Geld in den Sockenversender von Jungfeld und die Gin-Marke Muscatel. Insgesamt ist der 40 Jahre alte Moderator und Produzent in sieben junge Firmen mit Schwerpunkt auf den B2C-Bereich investiert.

Nach mehreren Flops etwa mit dem gescheiterten Butler-Dienst GoButler aus Berlin oder der eigenen Gründung des Mode-Labels German Garment hält Winterscheidt weiter Ausschau nach potenziellen Deals. Morgen fällt er auf der Kölner Marketing-Messe Dmexco als Juror des Seven Ventures Pitch Days – veranstaltet vom Investmentarm der Mediengruppe Prosieben Sat.1 – ein Urteil über Start-ups. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer erklärt der TV-Moderator, welche Rolle er als Investor einnimmt, wie er Gründern weiterhelfen will – und vor welchen Risiken er andere Business Angels warnt.

Herr Winterscheidt, Ihr Kerngeschäft sind Shows und Witze vor der Kamera. Als Investor dagegen müssen Sie auch mal hart kritisieren. Wie häufig hat dieser Spagat schon zu Konflikten geführt?
Es ist immer so – wenn man von einer Sache begeistert ist, wird die Diskussion auch mal hitzig. Aber der Punkt ist ja: Für beide Seiten ist es unangenehm, Streitgespräche zu führen. Die führe ich auch mit Klaas, da ist allerdings schon klar, dass wir ein wohlwollendes Endergebnis verfolgen. Bei anderen ist es viel schwieriger, den richtigen Ton zu treffen und klar zu machen, es geht nicht um Egos, es geht um Inhalt. Wer sich profilieren will, dass er oder sie krasser ist, der macht etwas falsch. Es muss um die Sache gehen und darf nicht persönlich werden.

Was können Gründer daraus für ihre Streitkultur lernen?
Wichtig finde ich, genauso ins Positive zu gehen in Zeiten, in denen es gut läuft. Also den Teampartnern zu signalisieren: Das läuft jetzt richtig stark, erinnerst du dich daran, wie ätzend diese Phase für uns war? Man darf sich auch nicht zu schade dafür sein, zwei Tage später anzurufen und zu sagen, dass es unnötig war, den anderen so hart anzugehen oder man vielleicht falsch lag. Da gilt Offenheit, um sich eine gesunde Streitkultur zu erarbeiten. Am Ende ist es genauso wichtig, Niederlagen zusammen zu ertragen wie Erfolge zu feiern.

Ihre größte Niederlage als Investor war das Start-up GoButler, das aufgrund der hohen Personalkosten gescheitert ist. Das ist mehrere Jahre her – haben Sie sich inzwischen professionalisiert?
Ich würde immer noch sagen, dass ich kein Vollprofi bin. Ich bin ein Bauchmensch, aber natürlich ist da eine Lernkurve dazugekommen. Gewisse Fehler würde ich nicht nochmal machen, zum Beispiel an so großen Finanzierungsrunden mit institutionellen Fonds teilzunehmen. Ich habe auch einige Termini besser verstanden und kann mehr auf Augenhöhe mit Gründern und anderen Investoren zu reden. Entscheidungen seriöser und genauer begründet zu fällen, sollte mir mittlerweile gelingen.

In früheren Interviews haben Sie gesagt, dass Sie gar nicht seriös wirken wollen. Jetzt klingen Sie als hätten Sie sich dem Business-Umfeld angepasst.
Nein, ich mache das nur, um mich kurz auf Augenhöhe zu begeben – wenn ich in Terminen sitze mit Leuten, die sich sehr ernst nehmen. Die hauen dann irgendwelche englischen Quatschwörter raus, anstatt das deutsche Wort zu benutzen. Das Spiel mache ich kurz mit und sag dann aber auch, wenn es mir zu viel wird. Keine Unternehmung wird erfolgreich, weil man englische Termini benutzt. Mir geht es nicht darum, zu sagen, hier kommt die Heuschrecke Winterscheidt. Als GoButler so grandios gescheitert ist, musste ich lernen, dass man nicht jedes Mal einen erfolgreichen Exit hinlegt. Heute bin ich noch weniger als damals darauf aus, mit Start-ups eine schnelle Mark zu machen.

Wie häufig investieren Sie momentan?
Ich halte die Zahl meiner Beteiligungen bei sieben bis zehn. Der Erfolg mit den Sushi-Bikes macht gerade richtig Spaß, deshalb schaue ich mir noch zwei weitere Firmen an. Ich weiß aber nicht, ob mir das nicht zu riskant ist. Beide sind schon recht fortgeschritten, inzwischen in einer Series-A. Ich bin gerne möglichst früh dabei – spät einzusteigen, bedeutet deutlich mehr Geld zu investieren.

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