Der Gründer gibt zu, dass die größte Herausforderung darin bestünde, relevanten Content zu liefern. In kleineren, studentisch geprägten Städten wie Münster, Aachen oder Passau funktioniert das deutlich besser als in Großstädten wie Berlin. Denn Jodel ist auf eine relativ homogene Nutzergruppe angewiesen. Der Witz über den Kellner in der Kneipe ist nur dann interessant, wenn alle Nutzer die Kneipe kennen. In Berlin-Kreuzberg interessiert sich aber niemand dafür, was Menschen im Prenzlauer Berg über den neuen Bio-Supermarkt jodeln. Und: Studierende lachen über studentische Witze, aber „die interessiert das Gejammer über die nächste Mathe-Klassenarbeit nicht“, sagt Schmitz.

Leider führt die Anonymität manchmal auch zu kritischen Posts wie sexistischen Kommentaren oder Beleidigungen. Kurz nach dem Launch der App wurde in Aachen der Hashtag #PoJoSo (Pornojodelsonntag) populär, unter dem Nutzer jeden Sonntag Nacktbilder posteten. Für ein paar Tage flog die App damals aus dem iOS-Store. Doch das Start-up hat dazu gelernt und beschäftigt inzwischen ein Team, das rund um die Uhr unerwünschte Posts löscht. Das klappt erstaunlich gut.

Natürlich will Jodel weiter wachsen und Nutzer hinzugewinnen. Aber mindestens genauso wichtig ist es für Schmitz, „retention“ und „engagement“ zu erhöhen, also die Nutzer dazu zu bringen, länger und regelmäßiger Zeit mit dem Jodeln zu verbringen.

Auf die obligatorische Frage, wie das Start-up irgendwann einmal Geld verdienen will, hat Schmitz nur ein müdes Lächeln übrig: „In Deutschland ist das immer extrem wichtig, in anderen Ländern spielt die Frage aber kaum eine Rolle.“ Er verweist auf Facebooks Foto-Plattform Instagram, die auch erst nach Jahren anfing, Geld zu verdienen. Das Team habe verschiedene Ideen, auch Werbung werde sicherlich getestet, sagt Schmitz. Konkretes will er aber noch nicht preisgeben.