Besteht die Gefahr als selbstständiger Unternehmer nicht genauso?
Nein, denn meine Anreize hier sind keine geliehenen Machtsymbole. Was ich tue, ist tief in mir verwurzelt und ich erhalte Rückmeldungen von Menschen, die dadurch glücklich werden.

Warum haben Sie ausgerechnet einen veganen Supermarkt gegründet?
Ich habe nach dem Burn-out angefangen, meine eigene Lebensweise zu verändern; ich habe meine Frau und meine drei Kinder verlassen und eine neue Beziehung angefangen. Meine neue Partnerin war Vegetarierin. Und für sie bin ich über Nacht auch zum Vegetarier geworden aus Respekt und Anerkennung. Nach ein paar Wochen habe ich gemerkt, dass der Verzicht auf Fleisch sehr viele Fragen aufwirft, aber auch festgestellt, dass es eigentlich nicht konsequent ist, nur vegetarisch zu leben, weil immer noch sehr viele Tiere leiden müssen. Deshalb bin ich vier Monate später zum Veganer geworden.

Das Einkaufen im Supermarkt stellt man sich für einen Veganer mühsam vor.
Ja, der Einkaufswagen war plötzlich leer, weil es kaum vegane Produkte gab. Es hat mir zu denken gegeben, dass es nichts für Menschen gibt, die sich aus guten Gründen dafür entscheiden, komplett auf tierische Produkte zu verzichten.

Wie sind Sie die Gründung von Veganz angegangen?
Nachdem ich selber Veganer geworden war und am eigenen Leid spürte, wie müßig der Einkauf mitunter ist, war meine Marktstudie in vollem Gange. Ich schrieb einen Businessplan runter, um die Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Danach ging es los.

Wie sahen die ersten Schritte aus?
Mit dem Businessplan bin ich zu allen Banken gerannt. Aber zunächst wollte mich keine finanzieren. Schließlich konnte ich mit Unterstützung der GLS Bank und der Bürgschaftsbank sowie einem sehr großen Anteil Eigenkapital den ersten Laden aufmachen.

Und das klappte sofort?
Jein, natürlich war das schwierig. Neben Liquiditätsproblemen, um die Waren vorzufinanzieren, war vor allem die Planung eine große Herausforderung. Um mich von Mitbewerbern am Markt zu differenzieren, habe ich viele Produkte aus den USA importiert – da ging viel schief. Weil wir gerade am Anfang die Mengen nicht gut einschätzen konnten, ist leider viel im Müll gelandet. Zudem bin ich am Anfang mit Mitarbeitern gestartet, die idealistisch waren, aber leider keine Ahnung von geschäftlichen Themen hatten. Dadurch gab es obendrauf viele Probleme.

Heute kooperieren Sie mit Kaiser’s und dm – ist das der Schritt in die Rentabilität?
Absolut, denn dadurch passieren zwei Dinge: Auf der einen Seite werden unsere Produkte mit einem riesigen Skalierungseffekt bekannt. Wir erreichen höhere Mengen und können an die Kunden bessere Preise weitergeben, die wiederum den Anreiz für vegane Produkte steigern. Auf der anderen Seite hat das Einfluss auf unsere Zahlen. 2015 haben wir 21 Millionen Euro umgesetzt, 2016 rechnen wir mit 70 bis 80 Millionen Euro. Das sind riesige Schritte und hilft dabei, rentabel zu werden – was wir momentan noch nicht sind.