Kontakt zu Konzernen, Kapital für das weltweite Wachstum: Wie Idinvest Partners Start-ups von sich überzeugen will, berichtet Venture-Capital-Verantwortlicher Matthieu Baret.

Montags ist Kolumnentag bei WirtschaftsWoche Gründer. In regelmäßiger Folge fragen wir ab heute Investoren, wie sie ticken – und worauf es ihnen bei einem Investment ankommt. Heute berichtet Matthieu Baret von Idinvest Partners, wie der Risikokapitalgeber Start-ups auf dem Weg nach Asien hilft. Und wieso Seriengründer gern gesehen Gäste sind.

Investor im Profil

Portfoliofirmen: mehr als 180 seit 2014
Fondsvolumen: Investmentkapazität von mehr als 500 Millionen Euro im Digitalsektor (early stage)
Normale Ticketgröße: 5-15 Millionen Euro pro Runde
Mitarbeiter: 23 im VC-Team

Im Gespräch

Investoren gibt in vielen Größen und Formen. Wie können Sie als Investor den Unterschied machen?
Wir haben einen großen Fonds. Und das Volumen des Fonds ist wichtig, das kann ich Ihnen versichern. Gründer schätzen es, wenn die Taschen des Investors tief sind – so können wir einem Start-up über viele Runden folgen. Das ist sehr wertvoll für die jungen Unternehmen. Außerdem gibt es uns schon eine ganze Weile. Vor zehn Jahren, als der Zugang zum US-Markt noch schwieriger war, haben wir europäischen Start-ups auf dem Weg dorthin geholfen. Jetzt haben wir Büros in Shanghai und Seoul – und können jungen Unternehmen helfen, in diesen Regionen zu wachsen.

Wo packen Sie an, wenn Sie sich beteiligen?
Bei uns sind einige globale Konzerne investiert, etwa Michelin, PSA, EDF oder auch die Allianz. Sie alle suchen nach gewinnbringenden Kooperationen zwischen Start-ups und Konzernen. Das schätzen Start-ups in unserem Portfolio sehr. Nehmen wir Wefox: Die wollten sich mit wichtigen Konzernen in China treffen. Wir konnten beim Zugang zu zwölf Versicherungsgesellschaften helfen. Zudem gibt es regelmäßige Netzwerk-Treffen unserer Portfolio-Start-ups. Kürzlich haben zum Beispiel CEOs aus unseren HR Tech-Portfoliounternehmen vor Vertretern unserer Corporate-Investoren gepitcht, um sich über das Thema Personal auszutauschen.

Und wo halten Sie sich als Investor heraus?
Wir sind nicht aufdringlich. Ich kenne Investoren, die wollen sich zwei Mal in der Woche mit den Gründern treffen. Wir helfen, wenn wir um Hilfe gebeten werden, insbesondere, wenn es für Recruitments oder Geschäftskontakte um Zugang zu unserem Netzwerk geht. Und geben ab und zu Hinweise bei strategischen Fragestellungen. Aber wir greifen nicht ins Tagesgeschäft ein. Es kann zudem auch Fälle geben, wo wir von vorneherein klar und deutlich sagen, dass wir nicht weiterhelfen können.

Welche Thesen sind für Sie wichtig, wenn Sie auf Märkte oder Start-ups blicken?
Wir wollen wissen, ob das Team das Zeug hat, mindestens zu einem europäischen Marktführer aufzusteigen. Wir haben genug Kapital, um die notwendigen Expansionen zu finanzieren. Und genug Expertise, um dem Start-up auf dem Weg zu helfen. Gerade in Bereichen wie Software-as-a-Service oder Online-Marktplätzen haben wir besonders viel Wissen und Erfahrung. Und nicht zuletzt kommt es, gerade in späteren Finanzierungsphasen, darauf an, ob das Geschäftsmodell grundsätzlich profitabel sein kann.

Wo ziehen Sie Grenzen?
Vor acht Jahren haben wir etwa angefangen, uns mit dem Thema Blockchain zu beschäftigen. Damals handelte es sich um eine reine Technologie. Inzwischen aber gibt es ganz praktische Anwendungsfälle dafür, und wir sind sehr viel aufgeschlossener. Die Frage des richtigen Timings ist entscheidend.

Wie blicken Sie auf den deutschen Markt? Verpassen deutsche Investoren gerade wichtige Trends?
Deutschland ist ein großer Markt – aber es gibt nicht so viele Fonds wie in Großbritannien oder Frankreich. Nach der letzten Krise ist eine ganze Reihe von möglichen Investoren von der Bildfläche verschwunden. Wenn wir auf die Sektoren blicken: Die deutschen Start-ups sind ziemlich aktiv in Bereichen wie Fintech oder Insurtech. Aber sie sind weniger technisch geprägt als in Frankreich, das ist zumindest mein Eindruck: Weniger Cybersicherheit, weniger Robotik. Doch viele der Gründer sind ziemlich gute Unternehmer, weil sie vorher in der Beratung gearbeitet haben.

Nach welchen Gründern halten Sie Ausschau?
Im Prinzip ist es das gleiche wie bei vielen anderen Fonds: Wir schauen uns an, ob Teams in der Lage sind, einen Businessplan auch tatsächlich in die Praxis zu bringen und ihn umzusetzen. Oft hilft es, wenn die Co-Gründer unterschiedliche Persönlichkeiten sind und sich ergänzen. Und uns ist wichtig, ob sie auch zuhören können.

Und wie finden Sie solche Gründer?
Das ist eine schwierige Frage. Häufig hat man nur ein Gefühl, wenn man einen Pitch sieht. Wir arbeiten gerne mit Seriengründern zusammen. In unserem letzten Fonds waren wir in der Hälfe der Fälle in Start-ups investiert, deren Kernteam wir bereits von vorherigen Beteiligungen kannten. Viele sind jung, wenn sie ihre erste Firma starten – und nach einem Ausstieg gründen sie dann häufig wieder. Nehmen wir das Beispiel Peakon – den Gründer kannten wir bereits von seinem vorherigen Start-up Podio. Wenn jemand dann erneut mit uns zusammenarbeiten will, ist das auch eine schöne Bestätigung für uns.