Marrakesch, 19. November: Es ist kurz vor Mitternacht, als in der Zeltstadt der Hammer fällt. Im Streit um Details hatten China und Brasilien sich so verhakt, dass die Verhandlungen sich um Stunden länger hingezogen haben als geplant. Alles in allem endet der Klimagipfel aber harmonisch. Ob der Nachricht, dass Donald Trump ab dem kommenden Jahr die USA regieren wird, sind die Staaten zusammengerückt. Auch für die internationale Klimadiplomatie hat die Wahl möglicherweise riesige Auswirkungen. Trump hat angedroht, aus dem Pariser Weltklimaabkommen auszusteigen und leugnet den Klimawandel.

In ihrem Abschlussdokument bekennen sich die Staaten auf der Konferenz noch einmal zu dem globalen Klimavertrag. Der „Marrakesch-Aufruf“, wie sie das Schriftstück nennen, ist inhaltlich nichts Neues, obwohl auf der Konferenz sogar ein paar Verhandlungsfortschritte erzielt wurden. Er liest sich vielmehr wie eine Botschaft an Trump: Kein einziges anderes Land wird mitziehen, wenn die USA gehen.

Ein stabiler politischer Rahmen sei besonders wichtig für die Entwicklung der grünen Wirtschaft, sagt Linda Bergset vom Borderstep Institut.

Stephanie Pfeifer, Geschäftsführerin der britischen Institutional Investors Group on Climate Change, sieht das mittlerweile gegeben. „Ein grundlegender Umstand hat sich mit der US-Wahl nicht geändert: Die Klimawissenschaft, der robuste globale Konsens um das Paris-Abkommen, die technologische Dynamik und die Unternehmer werden Investoren dazu bringen, sich mit dem Klimawandel zu beschäftigen und den notwendigen wirtschaftlichen Wandel zu finanzieren.“

Emma Herd, Pfeiffers Counterpart bei der australischen Investor Group on Climate Change (IGCC) stimmt ihr zu: „Das Paris-Abkommen hat ein riesige Marktsignal an die Investoren gesendet“, sagt Herd. „Sie wissen jetzt, dass der Klimawandel auch ein finanzielles Risiko ist und dass ihr Geld in klimafreundlichen Anlagen besser aufgehoben ist.“