Ist es also auch eine Typfrage, ob ich mich zum Intrapreneur eigne?

Absolut. Genauso wie wenn ich nach meinem Studium überlege, ob ich in ein gesichertes Umfeld eines großen Konzerns gehe oder mein eigenes Unternehmen gründe – vielleicht schon während des Studiums. Bei dem Intrapreneur geht es um die Frage, ob er sich in der effizient durchorganisierten Hierarchie wohlfühlt oder will er da ausbrechen, indem er die Organisation von innen weiterentwickelt. Jemand, der zufrieden mit dem ist, was er macht, der wird nicht den signifikanten Unterschied machen – derjenige wird kein Intrapreneur.

Der Begriff des Intrapreneurs ist ja schon fast 50 Jahre alt. Gerade jetzt ist er aber häufiger Thema und wird mehr diskutiert. Warum?

Ich glaube, das ist eine Folge der Marktveränderung. Die Märkte verändern sich rasant und es reicht einfach nicht mehr aus, einfach nur der Effizienteste auf dem Markt zu sein. Unternehmen müssen viel schneller auf Kundenbedürfnisse reagieren und man muss Kreativität im eigenen Unternehmen schaffen. Außerdem ist es en vogue selbst zu gründen. Kreative, gute Mitarbeiter zu bekommen wird so zunehmend schwerer, weil es eben zunehmend einfacher erscheint selbst ein Start-up zu gründen und es gibt viele Programme und Accelerator, bei denen man vergleichsweise leicht an Geld kommt, um eine Idee auszuprobieren. Die Leute, die das versuchen, sind genau diejenigen, die früher eine besondere Rolle in den Unternehmen gespielt haben. Von denen haben sich früher viele nicht für die Selbstständigkeit, sondern den klassischen Weg in ein Unternehmen entschieden und es ist eine große Herausforderung für Unternehmen an diese Menschen heute noch heranzukommen. Ich glaube, dass das Thema gerade so aktuell ist, liegt deshalb daran, dass die Unternehmen sehen, dass dies ein Weg sein könnte, den unternehmerischen Geist von Mitarbeitern zuzulassen und zu fördern, um selbst voranzukommen, indem ich meine eigene Produktentwicklung und Unternehmenskreativität steigere und für junge, kreative Menschen attraktiver werde.

Wird das in den nächsten Jahren auch die Gründerszene verändern?

Ich glaube nicht, dass es nachhaltige Auswirkungen auf die Gründerszene haben wird, denn dafür ist die Gründerszene nun zu stark. Gott sei Dank, existiert eine solche mittlerweile und es ist großartig, dass Universitäten und staatliche Institutionen – etwa durch Gründerzentren – die Start-up-Szene fördern. Was aber spannend werden könnte, ist die Veränderung durch die Start-up-Mentalität in den Unternehmen: Die Idee, wieder schlank zu agieren, und die Methodik der Start-up- und Gründerwelt zu adaptieren, bietet ein wahnsinniges Potenzial für Kooperationen zwischen Start-ups und Intrapreneuren in gestandenen Unternehmen. Denn wenn die Start-ups auch erkennen, dass Intrapreneure die ideale Komponente zwischen Unternehmen und Gründern sein können – als Partner für kreatives Netzwerken – dann können auch Start-ups vom Intrapreneurship profitieren.