#Foodporn, #throwbackthursday, #allblackeverything: Bei Instagram gibt es die verrücktesten Trends. Wie  Start-ups das nutzen können.

Von Laura Waßermann

Mode-Macher, Blogger und Promis haben das Netzwerk längst für sich entdeckt. Doch wie können Start-ups sich in der Instagram-Welt zurecht finden? Und: Müssen sie das überhaupt? Eine Kamera, weiße Blumen, Servietten und ein Cornetto. Das ist die Dekoration für den eigentlichen Star des Fotos: eine Sonnenbrille von Ninosy. Angeteasert wird das Bild durch die Frage, ob man eigentlich schon die richtige Sonnenbrille für den nächsten Sommerurlaub hätte – mit Sonnebrillen-Emoji natürlich.

Mister Spex, ein E-Commerce-Start-up für Brillen nutzt Instagram. In der Biografie heißt es: „Today’s way to buy eyewear. Find the perfect glasses or sunglasses to go with your style. Show us your #misterspexmoment.“ 313 Beiträge hat das Team seit August 2014 gepostet, mehr als 5.600 Leute folgen dem Account. Mit dem Hashtag #misterspexmoment sollen Instagram-Nutzer Fotos über ihre eigenen Accounts hochladen, auf denen sie eine Brille von Mister Spex tragen.

Damit will das Unternehmen für Kundenbindung sorgen. Auf einem anderen Foto sieht man eine junge Frau mit Hut, vor einem blühenden Kirschblütenbaum, mit einer Tattoo-Kette am Hals (die sind ja wieder im Trend) und einer Sonnenbrille von der Trendmarke Le Specs. Zu sehen ist nicht irgendein Mädchen sondern die Berliner Fashion-Bloggerin Ina Becker.

Ihre Strategie passe das Team in Absprache mit ihren „Kanalmanagern“ , also den Leuten, die für die verschiedenen Social Media-Kanäle zuständig sind, regelmäßig an. Konkrete Angaben dazu will Judith Schwarzer von Mister Spex nicht machen.

„Instagram bietet uns die Möglichkeit, eine neue junge und Lifestyle-orientierte Zielgruppe anzusprechen“, sagt Schwarzer, „und diese über inspirativen Inhalt regelmäßig mit ihnen zu interagieren.“ Usergenerierter Inhalt könne geliket und kommentiert werden, was zu näherer Kundenbindung führe. Stichwort: Hashtag.

Mister Spex gilt zwar nicht mehr als klassisches Start-up (2007 gegründet, beschäftigt mittlerweile mehr als 400 Leute), Strategien wie diese, einen Instagram-Account derart zu pflegen, weisen jedoch auf die moderne Kultur innerhalb des Unternehmens hin.

Damit ist das Team nicht alleine: Zalando, Amorelie, Marley Spoon, Flixbus, Flaconi und viele weitere Start-ups nutzen Instagram mittlerweile als Marketingkanal. Besonders beliebt ist der passende Hashtag zu dem jeweiligen Produkt: Bei Rebelle zum Beispiel ist das #rebelleofficial, zugegeben nicht allzu einfallsreich im Gegensatz zu Amorelie. Der Online-Shop für Unterwäsche und Sexspielzeug fordert seine Nutzer auf, Fotos mit dem Hashtag #betterlover zu posten – tatsächlich tauchen darunter meist Fotos von Amerolie selbst und nur selten Fotos von Liebespaaren auf.

Wenn man Instagram als Verbreitungskanal nutzen will, ist es von Vorteil, wenn man ein anschauliches Produkt vertreibt. So wie Flaconi: Parfüm-Flacons sind in der Regel optisch ein Hingucker, besonders solche von Firmen wie Chanel oder Yves Saint Laurent. Auch hier gilt: in Szene setzen, lächeln, Klick. Jedes Foto ist perfekt.

Darum geht es schließlich bei Instagram: Perfektion. Mit einem Account auf dem Social-Foto-Netzwerk kann ein Unternehmen – egal ob Start-up oder Großkonzern – seinen Lifestyle oder den, den es gerne verkörpert, zeigen. Die Kundenbindung ist dabei ein wichtiges Merkmal. Laut einer Studie von Quintly nimmt die Interaktion von Instagram-Nutzern immer weiter zu und soll in diesem Bereich Facebook und Twitter überholt haben. Auch Carsten Hendrich, Vice President Brand Marketing von Zalando, hat im vergangenen Jahr im Interview mit der Gründerszene gesagt, dass Instagram ihnen als „Aktivierungsportal“ diene. Dabei lohne sich die Interaktion mit den Nutzern, weil die organische Reichweite bei Instagram größer sei als zum Beispiel bei Facebook.

Tim Kahrmann, Leiter des Entrepreneurship Zentrums Witten, nutzt privat fast kein Instagram. Trotzdem weiß er um den Wert für junge Unternehmen, sich zu präsentieren. Auch Kahrmann rät, sich stärker auf die Interaktion zu konzentrieren als eine hohe Anzahl an Followern zu generieren. „Früher oder später wird Instagram auch Algorithmen einführen und diese werden Accounts abstrafen, die zwar viele, aber inaktive Follower haben.“

Laut Kahrmann ist Instagram vor allem gut für Produkte mit einer hohen emotionalen Ebene. Das Start-up Caregaroo kommt aus dem Bereich der Kinderbetreuung und Kinder seien bekanntlich ein hochemotionales Thema für Menschen.

Nachteile des Netzwerks seien, dass die Bilder und Videos sehr schnell im Feed der Nutzer verschwinden. „Die Folge, die Frequenz meiner Posts muss sehr hoch sein, was jedoch zu einer Reizüberflutung bei den Nutzern führen kann“, sagt der Experte. Zudem liege der Fokus klar auf den visuellen Aspekten, was die Nutzer dazu bewege, Beiträge schneller zu liken. „Wenn das eigene Produkt oder die Dienstleistung jedoch nicht relevant für die Zielgruppe ist, dann nutzen mir diese Likes und Follower wenig.“

Auch bei Mister Spex ist Instagram so beliebt, weil „es sich durch modische Produktpräsentationen auszeichnet, bei denen die Bildsprache im Vordergrund steht.“ Unter dem Hashtag #misterspexmoment finden sich übrigens 95 Beiträge, einige davon sind Urlaubsbilder von Mister Spex-Kunden.