Das Karlsruher Start-up hat sich mit 3D-Simulationen von Immobilien einen Namen gemacht – und will nun eine ergänzende Analyse-Software ausbauen.

Es gibt viel Arbeit für die „digitalen Steinmetze“, wie Enrico Kürtös die 3D-Spezialisten seines Unternehmens nennt: Im Auftrag von Projektentwicklern erstellen sie digitale Abbilder von geplanten Neubauten. Für die Bauträger etwa von Gebäudekomplexen mit Eigentumswohnungen ist das ein wirksames Marketinginstrument: Sie können den späteren Käufern schon vor Baubeginn virtuelle Besichtigungen im Internetbrowser anbieten – und Wünsche bei der Ausstattung oder der Raumaufteilung per Online-Konfigurator einsammeln.

„Wir helfen unseren Kunden, Objekte schneller, früher und zu einem höheren Preis zu verkaufen“, sagt der CEO von Inreal Technologies. Gegründet 2011, hat das Karlsruher Start-up eigenen Angaben zufolge bisher mehr als 450 Objekte und 5,2 Millionen Quadratmeter Fläche virtuell abgebildet. Zu den Kunden gehören Branchengrößen wie Art-Invest, Buwog, Deka Immobilien und Ca Immo. In der Corona-Krise, in der Besichtigungen physischer Musterwohnungen und Beratungsgespräche vor Ort über Wochen kaum möglich waren, stieg die Nachfrage laut Kürtös nochmals an.

Besser vorbereitet ins Verkaufsgespräch

An dem soliden Fundament will das Start-up nicht rütteln – doch einen wachsenden Teil der Umsätze macht Inreal inzwischen abseits der Virtualisierung: mit einer ergänzenden Analyse-Software. Die Idee: Bauträger stellen online ein 3D-Abbild des Projektes bereit. Interessenten können dort Wohnungskriterien filtern und sehen, wo einzelne Wohnungen im geplanten Gebäude zu finden sind. Im Hintergrund analysieren Algorithmen, was sich die Interessenten genauer ansehen.

Ein großer Vorteil: Es lässt sich genau ermitteln, welche Wohnungstypen besonders gefragt sind – und für die sich höhere Preise erzielen lassen. Eine Erkenntnis aus den letzten Monaten: Waren vor der Corona-Krise Drei-Zimmer-Wohnungen besonders gefragt, suchen Interessenten nun verstärkt nach vier Zimmern. Laden Interessenten Grundrisse herunter und stimmen den Datenschutzerklärungen zu, sind auch personenbezogene Auswertungen möglich: Vertriebsmitarbeiter bekommen so schon vor Beginn des Verkaufsgesprächs einen guten Eindruck davon, wonach der jeweilige Kunde sucht.

2,7 Millionen Euro von Investoren

Kürtös will die Analyse-Software nun weiter ausbauen: „Daten-Analysen kommen in der Immobilien-Welt bisher viel zu kurz.“ Für das aktuell 45 Mitarbeiter große Start-up ist die Cloud-Software auch deswegen attraktiv, weil sie anders als die mit vielen manuellen Prozessen verbundenen 3D-Modelle skalierbar ist: Wenn mehr Kunden die Software nutzen, steigt der Personalbedarf des Start-ups dadurch nicht wesentlich.

An das Potenzial glauben auch Wagniskapitalgeber: Rund 2,7 Millionen Euro kamen bei einer neuen Finanzierungsrunde zusammen. Neu eingestiegen ist Dr. Hettich Beteiligungen, eine Beteiligungsfirma von Andreas Hettich, Gesellschafter des Möbelbeschlagherstellers Hettich in Ostwestfalen. Als Neuinvestor gewonnen hat Inreal zudem Michael Spies, ehemaliger Europachef des Projektentwicklung-Unternehmens Tishman Speyer, das auch unter den Kunden des Start-ups ist.  Mitgezogen sind zudem die Bestandsinvestoren, zu denen seit 2018 neben anderen Bitstone Capital zählt.

Schon vor einiger Zeit aus dem Unternehmen zurückgezogen haben sich die Inreal-Mitgründer Moritz Luck und Thomas Willberger, die sich inzwischen auf Enscape konzentrieren. Das Start-up ist ebenfalls auf Visualisierungstechnologien im Immobilienbereich spezialisiert, richtet sich mit seiner Software aber vorwiegend an Architekten. Dort war Anfang des Jahres das Karlsruher Private-Equity-Unternehmen Lea Partners eingestiegen.