Einer, der es vormacht, wenn auch in einer anderen Branche, ist Konstantin Urban. Der Gründer und Vorstand von Windeln.de vertreibt seit 2010 Kinderprodukte, Babynahrung – und natürlich Windeln im Internet. Im Januar erst sammelte der Unternehmensberater 45 Millionen Euro ein und ging vor kurzem mit Unterstützung der Deutschen Bank und Goldman Sachs an die Börse. „In manchen Märkten bleibt einfach keine Zeit, um ein Geschäft langsam aufzubauen“, sagt Urban, der in China inzwischen mehr umsetzt als in Deutschland oder der Schweiz. Jedem Start-up, das es sich leisten kann, rät er auf lange Sicht zum IPO. „Die Zeiten und das derzeitige Umfeld sind sehr gut, um hohe Bewertungen rauszuschlagen.“

„Ohne Paradigmenwechsel geht die Start-up-Szene kaputt“

Von einem Börsengang als Exit-Strategie sind die meisten Start-ups jedoch weit entfernt. Viele ringen mit der eigenen Mentalität, wollen ihr Unternehmen ungern abgegeben oder scheitern an der fehlenden Finanzierung, die – glaubt man Urban – selbst die Politik nicht zu beheben vermag. „Die Initiativen der Bundesrepublik kosten nur Geld, anstatt wirklich zu helfen“, moniert der Windeln.de-Gründer. Statt Gesetze, Forschungslabore und Cluster-Wettbewerbe bräuchte es vermehrt indirekte Hilfe, etwa vergünstigte Steuersätze für Gründer. „Findet kein Paradigmenwechsel in der Politik statt, ist die deutsche Start-up-Szene bald kaputt.“

Auch Thelen propagiert den Wandel – allerdings in den Köpfen und nicht auf Papier. Deutschland brauche Schnelldenker und Macher, Visionäre und Strategen, und Leute, die Mut beweisen und Risiko eingehen. „Es ist wie in der Kindheit“, sagt Thelen. „Auch Gründer brauchen Vorbilder.“ Eine Prise Samwer und ein Hauch Musk in jedem von uns wäre laut Thelen also gar nicht schlecht.