Das Digitale-Versorgung-Gesetz gilt als wichtige Unterstützung für Start-ups aus der Gesundheitsbranche. Auch Investoren glauben an deren Erfolg.

Sechs Monate. So lange warten die rund 18 Millionen Menschen, die hierzulande an einer psychischen Erkrankung wie Burnout, Depression oder Angststörungen leiden, im Durchschnitt auf einen freien Therapieplatz. 

Zu lange, fanden Nora Blum, Kati Bermbach und Farina Schurzfeld und gründeten darum vor vier Jahren ihr Start-up Selfapy – eine digitale Alternative zur traditionellen Psychotherapie. In einer dreimonatigen Online-Sitzung werden Betroffene mit einer Mischung aus interaktiven Übungen, Videos und persönlichen Telefongesprächen  behandelt – immer begleitet von ausgebildeten Psychologen. Wer möchte, wechselt anschließend  – sobald ein Platz frei ist – in eine klassische Behandlung. 

Geld für Selfapy und Mindance

„Selfapy schließt eine Versorgungslücke und sorgt dafür, dass die Betroffenen nicht mit ihren Problemen alleine gelassen werden“, sagt Louis Heinz vom HighTech Gründerfonds. Der HTGF hat gemeinsam mit dem Tübinger Medizintechnik- und Life-Science- Investor SHS, der als Lead-Investor fungiert, mit Think.Health Ventures und VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin sechs Millionen Euro in das Start-up gesteckt.

Für den HTGF ist es das zweite Investment in ein Digital-Health-Unternehmern innerhalb weniger Tage. Geld gab es auch für das in Leipzig ansässige Mindance, das sich an Unternehmen wendet und deren Mitarbeiter mit Hilfe von Trainingsprogrammen, Coaches, Workshops und Webinaren vor Stress, Überbelastung und psychischem schützen will. Die siebenstellige Summe soll indie Weiterentwicklung der Plattform, die Kundenakquise, die Zusammenarbeit mit Krankenkassen und den Ausbau des Teams fließen.

„Der Digital-Health-Bereich ist aktuell sehr spannend“, kommentiert Louis Heinz die Entscheidung des HTGF in die beiden Start-ups zu investieren. „Durch die Verabschiedung des Digitalen-Versorgungs-Gesetzes im vergangenen November ist viel in Bewegung gekommen.“  

Das Digitale-Versorgung-Gesetz als Chance für Start-ups

Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DGV) ermöglicht unter anderem die Übernahme von Online-Behandlungen durch Krankenkassen, Ärzte dürfen ihren Patienten die Anwendung von Gesundheits-Apps verschreiben, falls der Anbieter zuvor eine Prüfung beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte durchlaufen hat.  Der Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung, in dem sich 60 E-Health-Unternehmen, darunter Selfapy, Mindance, Lindera, Ada Health und Kinderheldin zusammengeschlossen haben, bezeichnete dieses Gesetz als Meilenstein für Patientinnen und Patienten, medizinisches Fach- und Pflegepersonal sowie Anbieter digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA). 

So sieht es auch der HighTech Gründerfonds: Für ihn sollen Selfapy und Mindance nicht die letzten Investments in ein Digital-Health-Start-up gewesen sein.