Das angeschlagene Berliner Start-up kämpft um einen Neustart im Geschäft mit Firmenkunden. Wie die Gründer ihre Strategie verändern.

Um nach mehreren Krisen wieder auf dem deutschen Markt wachsen zu können, hat das Start-up Home3sixty hinter der Handwerker-Plattform Homebell frisches Kapital eingesammelt. Die Gründer Felix Swoboda und Sascha Weiler konnten die Bestandsinvestoren und Versicherer AXA Deutschland und Helvetia überzeugen, erneut Geld nachzuschießen. Über die konkrete Summe sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte Geschäftsführer Weiler im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Vor anderthalb Jahren hatte die junge Firma bereits elf Millionen Euro erhalten – damals unter Beteiligung des Investmentarms der Mediengruppe ProSieben Sat.1, Seven Ventures.

Die kleinere Besetzung im Investorenkreis verdeutlicht auch den Strategieschwenk des 2015 gegründeten Unternehmens: Die Versicherer vermitteln dem Start-up Kunden, die sich im Schadensfall über das Portal ein Angebot etwa für Renovierungsarbeiten erstellen und den Auftrag abwickeln lassen können. Im Fokus stehen damit nun Geschäftskunden, von privaten Wohnungen hält sich die Handwerker-Plattform vorerst fern. So finden nun Homebell und Seven Ventures nicht mehr zusammen – der auf B2C-Geschäftsmodelle spezialisierte Investor stellt unter anderem Werbezeiten im Fernsehen zur Verfügung.

Mit dem neuen Fokus auf eine Zielgruppe reagiert Homebell auf Schieflagen in der Vergangenheit. „Am Anfang haben wir erst einmal relativ breit verschiedene Märkte angetestet und uns angesehen, was dort möglich ist. Das war damals der richtige Schritt – und auch nach wie vor –, aber heute würden wir es langsamer machen und erst einmal einen Markt richtig gut verstehen“, sagte der 32-jährige Geschäftsführer Sascha Weiler zu WirtschaftsWoche Gründer.

Harte Einschnitte beim Personal

„Über das Jahr 2018 hinweg haben wir das B2B-Geschäft aufgebaut und festgestellt, dass es ein sehr attraktiver Markt für uns ist“, so Weiler. Im Zuge der Trennung vom Privatkundengeschäft gab das Unternehmen Ende März dieses Jahres bekannt, von 70 Mitarbeitern 38 zu entlassen, wie das Portal „Gründerszene“ zuerst berichtete. Vor zwei Jahren beschäftigte das Start-up noch 110 Personen und war zeitweise in zwölf Ländern aktiv. In der Bilanz steht für das Jahr 2017 ein Fehlbetrag von fast sechs Millionen Euro.

Das frische Kapital will Homebell nun vor allem in die Weiterentwicklung der Plattform stecken, so sollen zum Beispiel die Übermittlung von Aufträgen vonseiten der Versicherer sowie die Abwicklung technisch verbessert werden. Zudem sucht das Start-up nach weiteren Partnern, die Zugang zu Aufträgen eröffnen – darunter etwa weitere Versicherer, Hausverwaltungen, Architekten und Wohnungsbaugesellschaften. Konkurrenz bekommt Homebell dabei zum Beispiel vom Berliner Start-up Renovinga. Auch die Berliner Putzkräfte-Plattform Helpling wagte vor zwei Jahren bereits einen Vorstoß in den Markt.