Um das Geschäft mit Immobilienbesitzern zu stärken, erhält das Reise-Start-up eine kräftige Finanzspritze. Angriffe auf Airbnb und Co. scheuen die Gründer bislang.

Von der Vielzahl an unübersichtlichen Reiseplattformen wollen die Gründer von Holidu, Johannes und Michael Siebers, profitieren. Mit dem niedrigsten Preis locken sie Reisende auf der Suche nach einem Ferienhaus auf ihr Portal. Die Metasuchmaschine durchforstet Buchungsplattformen wie Booking.com, Home Away, Fewo direkt oder Airbnb und vergleicht die Inserate. Um identische, aber unterschiedlich teure Angebote herauszufiltern, greift das Münchener Start-up auf Bilderkennung zurück.

Das Prinzip ist verbreitet – und findet auch in anderen Branchen finanzkräftige Unterstützer: Mit einem ähnlichen Konzept ist die Suchmaschine Omio des Berliner Anbieters GoEuro unterwegs, jedoch auf Tickets für internationale Flug-, Bahn- und Busverbindungen spezialisiert. GoEuro wird seit einer Finanzierungsrunde über 150 Millionen Dollar im vergangenen Jahr als potenzielles „Einhorn“ gehandelt, also als Unternehmen mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar. An die Suchmaschine für Ferienhäuser fließt nun ebenfalls ein hoher Betrag: Mit insgesamt 40 Millionen Euro kurbeln Investoren das Wachstum von Holidu an.

Um zur ersten Anlaufstelle für Ferienhaus-Buchungen zu werden, soll sich das Team deutlich verstärken – im kommenden Jahr von 200 auf 350 Mitarbeiter. Derzeit sei das Team zu 90 Prozent am Firmensitz in München beschäftigt, weitere Bürostandorte seien geplant, erklärt Geschäftsführer Johannes Siebers auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer. Etwa in Hamburg verstärkt sich Holidu, konkrete Ziele im Ausland verrät der 34-Jährige dagegen nicht. Bereits vertreten ist das 2014 gegründete Unternehmen etwa auf Mallorca und Teneriffa.

Fokus auf Dienstleistungen für Vermieter

Mit eigenen Mitarbeitern vor Ort zu sein, hält der Gründer mit Blick auf das zweite Standbein Bookiply für zunehmend wichtig. Unter der Marke bündelt das Start-up verschiedene Dienste für Vermieter, etwa das Einstellen von Inseraten auf mehreren Portalen und die Kommunikation mit Gästen. Das Angebot solle auch das Problem von Doppelbuchungen und demnach häufigen Stornierungen lösen, das aufgrund von nicht synchronisierten Kalendern zustande komme, so Siebers. Derzeit verwaltet das Start-up nach eigenen Angaben 5.000 Ferienhäuser und -wohnungen.

Das Unternehmen verdient dabei an Provisionen – acht Prozent pro Buchung zahlen die Vermieter über den Bookiply-Service. Reisende buchen entweder direkt bei dem Münchener Start-up oder werden je nach Suchmaschinen-Ergebnis weitergeleitet auf Booking, Airbnb und Co. Zum Umsatz der beiden Geschäftsbereiche macht der Gründer keine Angaben. Nur so viel: Investiert werde in beide Seiten gleichermaßen. „Mit Hilfe der neuen Finanzierung wollen wir das Ferienhaus-Angebot erweitern und arbeiten dafür mit kleineren Anbietern und Agenturen zusammen, um mehr Vermieter zu erreichen“, sagt Siebers, der das Start-up mit seinem Bruder aufgebaut hat.

Konkurrenzdruck unter Traveltech-Unternehmen

Auf absehbare Zeit soll das Angebot plattformübergreifend bleiben. Exklusive Inserate seien nicht geplant, erklärt der Firmengründer. Damit positioniert sich Holidu weiterhin als Partner der etablierten Buchungsplattformen. Kapitalgeber rechnen dem Ansatz offenbar große Chancen aus. Anschub leistet Hauptinvestor Prime Ventures mit Sitz in den Niederlanden und Großbritannien. Außerdem beteiligen sich an der Serie-C-Finanzierungsrunde auch die Kapitalgeber Coparion und Mairdumont Ventures sowie alle Bestandsinvestoren. Dazu zählen der Münchener Company Builder Venture Stars, EQT Ventures und mehrere Business Angels.

Im Wettbewerb auf dem Reisemarkt treten neben Suchmaschinen für Ferienunterkünfte auch digitale Reisebüros wie Tourlane aus Berlin oder Fineway mit Sitz in München an. Ebenfalls aus der bayerischen Hauptstadt kommt das Flug-Vermittlungsportal Flyla, das sich mit Restplätzen vor allem an Studierende richtet. Mit einem vergleichbaren Konzept musste der Lokalrivale Let’s Yalla dagegen im Frühjahr aufgeben.