Der Lockdown hat das Münchener Start-up schwer getroffen – doch seit Reisen wieder möglich sind, zeigen die Buchungszahlen steil nach oben.

Plötzlich ging nichts mehr bei Holidu: Als Mitte März die Corona-Pandemie in immer mehr Ländern für Kontakt- und Reisebeschränkungen sorgte, brachen die Buchungen bei der Ferienhaus-Suchmaschine drastisch ein. Der Umsatz: fast null. Stattdessen flatterten reihenweise Stornierungen ins Postfach – millionenschwere Marketingausgaben waren verloren. „Es war ein Alptraum“, sagt Holidu-CEO Johannes Siebers, der im April die Mehrzahl der 200 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste. „Wir haben schon mit Szenarien geplant, in denen es über viele Monate keine Einnahmen mehr geben würde.“

Ein halbes Jahr später ist von der Krisenstimmung wenig übrig: So stark der Lockdown das Münchener Start-up getroffen hat, so stark profitierte es von den Lockerungen. „Als die Menschen im Mai wieder reisen durften, gab es einen extremen Run auf Ferienhäuser und -wohnungen“, sagt Siebers. Der Individualurlaub sei plötzlich für viele interessant geworden, die sonst den Urlaub mit Pauschalpaketen in Hotels verbringen. Noch im Mai erreichte das Start-up im operativen Geschäft die Gewinnzone, die Buchungszahlungen im Sommermonat Juli lagen mehr als doppelt so hoch als im Vorjahr.

Ehemaliger Booking-Chef steigt ein

Das Start-up hat nun sogar einen neuen Investor gefunden: Mit Kees Koolen ist der ehemalige CEO von Booking.com mit mehr als vier Millionen Euro eingestiegen. „Die Covid-19-Pandemie hat die Karten in der Reisebranche neu gemischt, und Holidu ist einer der klaren Gewinner am Markt“, lässt sich der niederländische Geschäftsmann zitieren. Das Münchener Start-up begleitet er bereits länger: Vor fünf Jahren war der von Koolen mitgegründete Wagniskapitalfonds EQT Ventures an einer Finanzierungsrunde von Holidu beteiligt.

„Dass Kees Koolen mit seinem eigenen Kapital bei uns investiert, ist ein wichtiger Vertrauensbeweis“, sagt Johannes Siebers, der Holidu 2014 mit seinem Bruder Michael gegründet hatte. Wertvoll seien vor allem die Branchenkontakte und Netzwerke. Die zusätzliche Finanzspritze ist der Durststrecke im Frühjahr zum Trotz nicht dringend nötig gewesen: Noch vor der Corona-Krise hatte das Unternehmen in einer Finanzierungsrunde 40 Millionen Euro eingesammelt. Das Kapitalpolster dürfte noch immer gut gefüllt sein – zumal das Start-up geplante Neueinstellungen erst einmal verschoben hat.

Inserate von mehr als tausend Portalen

Geld verdient das Start-up über Provisionen von Partnerunternehmen. Holidu bündelt eigenen Angaben zufolge die Angebote von mehr als tausend Portalen. Neben regionalen Buchungsseiten sind darunter bekannte Plattformen wie Booking.com, Airbnb und FeWo Direkt. Wird ein Ferienhaus auf mehreren Seiten angeboten, sollen die Holidu-Nutzer immer zu der mit dem günstigsten Preis weitergeleitet werden. In vielen Fällen können die Buchungen auch direkt aus der Suchmaschine heraus vorgenommen werden. Mit demselben Ansatz ist das Berliner Start-up HomeToGo unterwegs, das Ende 2018 den US-Konkurrenten Tripping.com übernommen hatte.

Eine weitere erfolgreiche Reise-Suchmaschine aus Deutschland ist Omio. Das unter dem Namen GoEuro gestartete Unternehmen verdient sein Geld über den Verkauf von Bahn-, Fähr-, Flug- und Bustickets. Auch Omio war schwer von den Reisebeschränkungen betroffen, konnte kurz nach der Krise aber eine neue Finanzierungsrunde über 100 Millionen Dollar bekanntgegeben. Anfang September kehrten alle 360 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück – obwohl es aktuell täglich neue Reisewarnungen dazukommen.

Auch Holidu-Chef Johannes Siebers blickt trotz aller Unsicherheiten optimistisch in die Zukunft. „Auch wenn es kurzfristig noch einmal Reisebeschränkungen gibt, spielt uns mittelfristig der Wandel von Offline- zu Online-Buchungen in die Karten“, sagt er. Wachsen will Holidu außer über die Suchmaschine für Endkunden auch mit einem Angebot für Vermieter: Das Tochterunternehmen Bookiply bietet – ähnlich wie Lodgify aus Barcelona – eine Software an, über die Ferienimmobilien gleich auf mehreren Buchungsportalen inseriert werden können.