Nach einem Semester mit zündenden Ideen, Businessplänen und der Investorensuche haben Studierende der Hochschule Augsburg ihre Ideen im Hörsaal der Löwen präsentiert.

Von Fritjof Atterdal

Mit dieser Frage hat Johannes Hetzler offenbar nicht gerechnet. Mit großen Augen schaut er Entrepreneure Uli Hab an, der nochmal wiederholt: „Willst Du es machen?“ Gerade hat Hetzler den „Hörsaal der Löwen“ an der Hochschule Augsburg gewonnen und mit seiner Idee für Facebook-Gewinnspiele die hochkarätig besetzte Jury aus Gründern, Investoren und Hochschulvertretern überzeugt. Und da fragt ihn einer der Gründer, ob der Student die Idee auch in die Tat umsetzen will.

Mit dem „Hörsaal der Löwen“ geht Hochschuldozent Martin Plöckl neue Wege bei der Ausbildung von Gründern. Die Veranstaltung ist Höhepunkt und Abschlussprüfung seiner Wahlpflichtveranstaltung „Start-up Business“. Sie basiert auf der VOX-Gründershow „Die Höhle der Löwen“, bei der sich Menschen mit Erfindungen oder Geschäftsideen fünf Geldgebern präsentieren und versuchen, diese für sich zu gewinnen.

Nachdem Plöckls Studenten während des Semesters immer wieder die Gelegenheit hatten, mit Gründern ins Gespräch zu kommen und von ihnen zu lernen, sollen sie jetzt eine eigene – reale oder fiktive – Geschäftsidee so präsentieren, dass sie in der freien Wirtschaft damit Geldgeber überzeugen würden. „ Ziel der Veranstaltung ist es, meinen Studenten das Gefühl zu vermitteln, nicht nur eine Prüfung abzuleisten, sondern eine echte Chance vor Investoren zu haben“, erklärt Plöckl, selbst mehrfacher erfolgreicher Entrepreneure. Quasi eine Generalprobe, bevor sie sich in der Realität durchsetzen müssen. Auf den Gewinner wartet ein Coaching bei der Investiert AG, einem Münchner Unternehmen, das Geschäftsideen fit macht für Investoren.

Hohes Niveau der Studierenden

In der Jury sitzen neben dem Vizepräsident für Forschung der Hochschule Gordon Rohrmair und Martin Plöckl Unternehmer, die selbst bereits Unternehmen gegründet haben oder in Unternehmen investieren. Uli Hab hat schon als Student Wasserbetten aus den USA importiert und seitdem mehrere Unternehmen ins Leben gerufen, darunter Yndeo.de. „Als ich an der Hochschule war, hat kein Mensch über Start-ups und Unternehmensgründung gesprochen“, lobt er die Veranstaltung. Und auch für die Studenten hat er lobende Worte: „Mich überrascht das hohe Niveau der Präsentationen und das Selbstbewusstsein, mit dem sich die jungen Leute hier hinstellen“.

Gewinner Hetzler hat sich über das Problem Gedanken gemacht, wie Unternehmen E-Mail-Adressen von potenziellen Kunden beschaffen können. Und ist auf Gewinnspiele auf der Plattform Facebook gekommen. Der Jury präsentierte er seine „Content-Box“, ein modulares System, mit dem jedermann auch ohne Programmierkenntnisse entsprechende Gewinnspiele „zusammenklicken“ kann. Geld verdienen will er dabei mit einem Abo-Modell, bei dem registrierte Unternehmen einen monatlichen Beitrag bezahlen. Die durchdachte Präsentation erntet großes Lob von der Jury, Kritik gibt es allerdings auch.
Unternehmerin Sina Trinkwalder, die lange Jahre eine Werbeagentur leitete, gibt zu bedenken, dass so gewonnene E-Mailadressen nicht für Werbung verwendet werden dürfen. Doch trotz der Einwände geht der Sieg am Ende an den 21-jährigen BWL Studenten.

„Die Welt wird nicht nur durch Apps gerettet“ fasst Sina Trinkwalder nach der Veranstaltung ihre Eindrücke zusammen. Im Interview mit WirtschaftsWoche Gründer hatte sie zuvor gefordert, dass junge Gründer zu 1000 Prozent hinter ihrer Idee stehen müssten. Sechs der zwölf Kandidaten haben Apps oder Weblösungen für die verschiedensten Probleme vorgestellt. Da gab es einen Supermarkt-Navi, der Kunden zum gesuchten Produkt im Regal führen sollte. Eine Studentin wollte einen „Backpack-Buttler“ programmieren lassen, der Rucksacktouristen weltweit mit Reisetipps versorgt, eine Kommilitonin verarbeitete ihre Probleme bei der Wohnungssuche im Ausland in einem Wohnungs-Marktplatz.

Ein kochbegeisterter Student stellte den Investoren eine Rezepte-App vor, eine junge Dame präsentierte mit auf die eigene Kleidung geklebten Preisschildern, wie schick man sich mit ihrem „Schnäpfchen-Stalker“ für billiges Geld kleiden könne. Die Jury nahm jede Idee wohlwollend unter die Lupe und sparte nicht mit konstruktiven Vorschlägen. Allerdings: Das Argument „gibt’s schon“, ließ manchen Traum vom großen Geld schon in den Anfängen stecken bleiben.

 Der Gewinner wird gecoacht

Eine Geschäftsidee, der die Jury eine hohe Erfolgschance vorhersagt, präsentierte Carmen Maria Stelzner. Sie hat auf den Philippinen die Pili-Nuss entdeckt, „die nach Mandel, Macadamia und Pinienkernen schmeckt und im Mund schmilzt“. Angesichts des Fitness- und Ernährungstrends in Deutschland ein Produkt, auf das Reformhäuser und Bioläden nur gewartet haben dürften. „Das funktioniert 100-prozentig“ prophezeite Trinkwalder der Studentin.

Johannes Hetzler ist nach der Kritik an seinen Gewinnspielen etwas eingeschüchtert und umso überraschter, dass er den Hörsaal der Löwen für sich entscheiden konnte. „Wenn die rechtlichen Fragen geklärt sind, möchte ich die Idee schon weiter verfolgen“, sagt er. „Jetzt brauche ich noch einen Informatik-Studenten, der mir das programmiert.“

Ob sein Projekt echte Chancen hat, wird er spätestens feststellen, wenn es die Feuerprobe eines Coachings bei der Investoren-Schmiede „Investiert“ überstanden hat. Aufsichtsratsvorsitzender Professor Georg Erdmann ist bei der Preisübergabe voll des Lobes für die Arbeiten. „Das Niveau war überraschend hoch und die Präsentationen sehr gut durchdacht“, findet er. Dass ein Großteil der Arbeiten technologieorientiert waren, hat den Business-Angel nicht gestört. „Das ist doch State of the Art findet er. Zwei oder drei der Vorschläge würde er sich gerne näher ansehen. Die „Content-Box“ von Gewinner Hetzler wird bei „Investiert“ jetzt konkret durchgerechnet und soweit konkretisiert, dass sie Investoren vorgestellt werden kann. Und dann kann der künftige Gründer auch die Frage von Uli Hab beantworten: „Ja ich will!“