Bessere Start-ups, höhere Investments: Die zweite Staffel der Vox-Show „Die Höhle der Löwen“ will an den Überraschungserfolg anknüpfen. Dabei soll vieles besser werden.

Es ist der letzte Drehtag bei der Serie „Die Höhle der Löwen“: Die Löwen sind gut gelaunt und machen im Studio ein gemeinsames Erinnerungsfoto mit einem Selfie-Stick. Doch dem Spaß folgt schon bald wieder der Ernst, ein Pitch steht an: Zwei Österreicher stellen einen asiatischen Tischgrill vor, es wird ausgiebig gekostet, das Essen schmeckt, nur das Geschäftsmodell ist noch unausgegoren. Obwohl sich die Probleme schnell abzeichnen, werden die Unternehmer eine gefühlte Ewigkeit von den Löwen gegrillt. Hinter den Kulissen rollen die Mitarbeiter der Juroren die Augen und schauen genervt auf die Uhr – der Zeitplan ist schon gegen Mittag nicht mehr zu halten.

Doch der Eifer, die Gründlichkeit und der Spaß, mit der sich die Juroren bis zuletzt den Gründern widmen, statt auch wenig überzeugende Ideen schnell abzuhaken, ist eines der Geheimnisse des Überraschungserfolgs aus dem Vorjahr. Im Vorfeld war nicht abzusehen, dass das international seit Jahren erfolgreiche Format auch hierzulande so einschlagen würde. Doch die Quoten lagen deutlich über den Erwartungen und inzwischen gibt es mit Restaurant-Gründern oder „Made in Berlin“ andere TV-Formate, die vom Start-up-Boom profitieren wollen.

Weniger Show und mehr Substanz

Am Dienstag startet bei „Vox“ die Ausstrahlung der zweiten Staffel der „Löwen“. Von der größten Änderung werden die Zuschauer nichts mitbekommen: Gedreht wurde in einem neuen Studie direkt neben der Kulisse der Schillerstraßenkreuzung aus der RTL-Soap „Unter uns“. Doch ansonsten ändert sich nicht viel: Auch bei der Zusammensetzung der Jury verfahren die Macher nach der Devise Never-change-a-winning-Team. Erlebnis-Unternehmer Jochen Schweizer, Investor Frank Thelen, Tourismuslegende Vural Öger, Tele-Shopping-Darling Judith Williams und Unternehmerin Lencke Steiner, die kürzlich für die FDP in den Bremer Wahlkampf zog, grillen die Gründer und entscheiden, ob sie selbst in die Start-ups investieren.

Und trotzdem soll diesmal auch einiges anders sein. „Wie jedes Start-up haben wir beim ersten Mal verdammt viele Fehler gemacht“, sagt Frank Thelen. So gab es zu viele Ideen, die zu wenig technologiegetrieben waren, stattdessen wurden irgendwelche Aufkleber für High-Heels präsentiert.

Es ist der Spagat, den so eine Start-up-Show im Fernsehen machen muss: Neben Software, Apps oder E-Commerce eben auch Kuriositäten und viele Dinge zum Zeigen und Anfassen vorzustellen. Trotzdem soll es nun wohl etwas weniger Show und mehr Substanz geben.

Zu den bekannten Start-ups, die sich in dieser Staffel präsentieren, gehören die Finanz-App Lendstar, die Spielzeugflugzeugbauer von Toby Rich oder die Mathe-App Math 42. Gleich in der ersten Folge treten die GoButler-Konkurrenten von Sixtyone Minutes an.

„Es gibt viel bessere Start-ups und deutlich mehr High-Tech“, sagt Thelen. Dafür sei er auch bereit, das Portemonnaie weiter aufzumachen. Nachdem die Juroren im Vorjahr gut 1,5 Millionen Euro investiert haben, ist die Summe in dieser Staffel deutlich höher.

Jochen Schweizer investiert eine Million

Daran hat allein Jochen Schweizer schon einen gewissen Anteil: „Ich habe in diesem Jahr über eine Million Euro an Deals abgeschlossen“, sagt Schweizer. Die Anzahl der reinen Show-Cases habe sich reduziert und es gebe mehr relevante Business-Cases, bestätigt Schweizer. Zudem seien die Gründer besser vorbereitet.

Und so hoffen die Juroren-Investoren auch für sich selbst auf bessere Ergebnisse. Denn von den Start-ups in die sie in der ersten Staffel investiert haben, entwickelten sich nicht alle wie erhofft: „In der ersten Show waren viele Scheißdeals“, sagt Frank Thelen offen.

Allerdings gebe es auch Start-ups, die so gut laufen, dass Thelen nochmal nachinvestiert habe. Zum einen die Portemonnaies und Handyhüllen von Crispy Wallet, zum anderen Meine Spielzeugkiste: „Das ist ein richtiger Kracher“, so Thelen.

Vielleicht lag also Lencke Steiner mit ihrer Zurückhaltung gar nicht so falsch, wie manche Spötter unterstellten. Doch auch sie lässt sich offenbar von den Start-ups der neuen Staffel überzeugen – Steiners Standardsatz „Ich bin raus“ soll jedenfalls deutlich seltener zu hören sein.