Start-ups können sich bei vielen Experten Hilfe holen. Doch was bieten Inkubatoren und Acceleratoren?

Von Benedikt Wurdack

Im Gewirr der Förderprogramme für Start-ups kann es unübersichtlich werden: Welche Möglichkeiten bietet ein Inkubator? Was unterscheidet ihn von einem Accelerator? Und wo liegen die Vor- und Nachteile?

Die Inkubatoren

Das Wort erinnert an den Brutschrank aus der Biologie – und so abwegig ist dieses Bild gar nicht. Denn ein Inkubator bietet jungen Start-ups besonders gute Bedingungen, um größer zu werden.

Doch anders als die Bakterien im Brutschrank wird man hier nicht mit Nährboden versorgt, sondern mit einer Anschubfinanzierung, günstigen Büroräumen und ideeller Unterstützung. Die Finanzierung der Inkubatoren erfolgt entweder durch öffentliche Träger oder private Unternehmen.

Meistens sind Inkubatoren kostenfrei, teilweise werden aber auch Anteile als Gegenleistung für die Förderung verlangt (eher bei den Privaten). Die Start-ups, die bei Inkubatoren unterkommen, haben im Vergleich zu ungeförderten Start-ups bessere Erfolgschancen. Dabei sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die Anbieter vor allem ein tragfähiges Konzept verlangen.

Vorteile der Inkubatoren

  1. finanzielle und ideelle Förderung
  2. günstige Arbeitsräume, in denen Kontakt und Vernetzung möglich ist
  3. Unterstützung und Schutz in der Anfangsphase
  4. ermöglicht langsames Wachstum

Nachteile der Inkubatoren

  1. verzögern die Konfrontation mit den Marktkräften
  2. längere Entwicklungsdauer

Beispiele für Inkubatoren

Hub:raum

Der Inkubator der Deutschen Telekom sitzt in Berlin. Der Schwerpunkt liegt auf Medien und digitaler Infrastruktur, Initiativbewerbungen sind möglich. Angeboten werden Finanzierung, Co-Working-Arbeitsplätze, Mentoring und Verbindungen zum Konzern. Im Gegenzug werden typischerweise 10 bis 15 Prozent Anteile gefordert. Die Förderung dauert neun bis zwölf Monate.

Main incubator

Die Commerzbank-Tochter gibt es seit 2013. Sie fördert FinTech-Start-ups, geworben wird mit Beteiligungskapital, Büroräumen, Know-how und Kundenzugang. Gründer können sich auf eine Ausschreibung oder mit ihrer eigenen Idee initiativ bewerben. Die genauen Konditionen der Förderung werden individuell verhandelt.

 Project Flying Elephant

Dieser Inkubator gehört dem Frühphaseninvestor WestTech Ventures und befindet sich ebenfalls in Berlin. Gesucht sind „tech-affine Teams mit einer herausragenden Produktvision“. Die Förderung gibt es in zwei Varianten: Dumbo und Jumbo. Im Austausch gegen einen Minderheitsanteil von fünf oder zehn Prozent gibt es Finanzierung, Büroräume und ideelle Förderung.

Die Acceleratoren

Acceleratoren sind zeitlich begrenzte Programme. Reizvoll sind diese Programme vor allem für sehr junge Start-ups, die möglichst schnell vorankommen möchten.

Wie der Name schon erkennen lässt, geht es bei Acceleratoren um Geschwindigkeit. Das Hauptmerkmal ist die begrenzte Dauer des Förderprogramms (in der Regel um die drei Monate). Während dieser Zeit erhalten die Teilnehmer Mentoring, Finanzierung und Arbeitsräume – ähnlich wie bei einem Inkubator. Durch die verkürzte Dauer erhöht sich allerdings die Intensität.

Während der Inkubator eine schützende Umgebung bietet, gleicht der Accelerator einem Survival Camp, das auf die Marktreife des Produkts hinwirkt: Mehr Mentoring, mehr Fortschritt und höhere Arbeitsbelastung. Die Förderung endet mit einem Pitch Event, bei dem die Start-ups sich potenziellen Investoren vorstellen.

Ähnlich wie bei den Inkubatoren gibt es sowohl Acceleratoren, die als Gegenleistung Firmenanteile fordern, als auch solche, deren Teilnahme an keine Bedingungen geknüpft ist

Vorteile der Acceleratoren

  1. viel Kontakt und Vernetzung mit anderen Start-ups
  2. viel Weiterentwicklung in kurzer Zeit

Nachteile der Acceleratoren

  1. teilweise hohe Belastung
  2. weniger enge Beziehung zum Förderer als bei Inkubatoren

Beispiele für Acceleratoren

Axel Springer Plug and Play Accelerator

Der Axel Springer Konzern setzt, genau wie Daimler, auf eine Kooperation mit Plug and Play. Dementsprechend ähnlich ist das Konzept: 100 Tage, Finanzierung im Austausch gegen Anteile und Unterstützung durch Know-how und Mentoring. Genaue Vorgaben zur Branche gibt es nicht. Zusätzlich zur Förderung bietet der Accelerator auch ein Alumni-Netzwerk.

German Accelerator

Er will deutsche Unternehmen zu Weltmarktführern machen. Dafür müssen teilnehmende Start-ups nichts bezahlen – das Bundeswirtschaftsministerium ist zusammen mit anderen Partnern Träger des Programms. Es umfasst zwei Sparten: Tech und Life Sciences. Die Förderung findet in den USA statt, eine der Voraussetzungen ist, dass das Produkt Relevanz für den dortigen Markt besitzt.

Start-up Autobahn

Daimler hat nun auch seinen eigenen Accelerator: Start-up Autobahn. Das in Stuttgart angesiedelte Projekt soll internationale Start-ups im Bereich Mobility nach Deutschland locken. Den ausgewählten Start-ups stehen 100 Tage lang Ausrüstung, Expertise und Kontakte zur Verfügung. Eine Finanzierung erfolgt entweder im Austausch gegen Anteile oder nach individueller Verhandlung. Besonders reizvoll: Die Möglichkeit für gute Start-ups, anschließend drei weitere Monate im Silicon Valley zu verbringen.

Die Company Builder

Sie suchen keine Start-ups, sondern Gründer mit und ohne Ideen, die mithilfe der Firma umgesetzt werden.

Im Gegensatz zu Inkubatoren und Acceleratoren funktionieren Company Builder, auch start-up factories genannt, etwas anders. Wie der Name schon suggeriert, bauen sie ihre eigenen Start-ups. Ideen werden firmenintern entwickelt und großgezogen. Dabei fokussiert sich der Company Builder meist auf eine Branche und kann seinen Start-ups leicht Reichweite verschaffen. Manche Company Builder sind allerdings auch für Ideen von außen offen. Wird diese angenommen, so bekommt man ein Team zur Seite gestellt und bleibt immerhin Mitgründer.

Ob der Gewinn an Sicherheit den Verlust an unternehmerischer Freiheit aufwiegt, bleibt jedem selbst überlassen. Erfolg haben Company Builder aber trotzdem: Zu dem bekanntesten deutschen Company Builder Rocket Internet gehört ein Großteil der deutschen Einhörner, die in der Erhebung von GP. Bullhound (.pdf) verzeichnet sind.

Vorteile der Company Builder

  1. Zugriff auf große Ressourcen
  2. Skalierungseffekte

Nachteile der Company Builder

eventuell weniger unternehmerische Freiheit

Beispiele bekannter Company Builder

FinLeap

Das Unternehmen hat sich auf den FinTech-Bereich spezialisiert und lockt damit, das eigene Start-up mit FinLeap zu gründen und innerhalb von maximal sechs Monaten großzuziehen. Gründer werden mit Expertise, Bewerbern oder Finanzierung unterstützt. SolarisBank oder valendo sind Beispiele aus dem Portfolio.

Hanse Ventures

Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als institutionellen Co-Gründer, der „neue Geschäftskonzepte im Bereich Internet und Mobile“ entwickelt und mit Gründern von außen verwirklicht. Alternativ gibt es alle drei Monate einen Pitch, bei dem die eigene Idee vorgestellt werden kann. Bekannte Start-ups aus dem Portfolio sind Hochzeitsplaza oder pflege.de.

Rocket Internet

Erprobte Konzepte in neue Märkte bringen – das ist das Prinzip von Rocket Internet. Durch Größe und Struktur ist es dem Konzern eigener Angabe zufolge möglich, neue Unternehmen in weniger als 100 Tagen auf den Markt zu bringen. Bekannte Rocket-Firmen sind: HelloFresh, home24 oder foodpanda.