Für Kritiker ist diese Argumentation blanker Hohn. „Die Anbieter arbeiten mit sogenannten Selbstständigen und umgehen so Tarifverträge und den Mindestlohn“, kritisierte Johannes Bungart, Geschäftsführer der Bundesinnung der Branche, kürzlich in der WirtschaftsWoche. Schwarzarbeit werde hier lediglich durch Scheinselbstständigkeit ersetzt. Die Beschäftigten müssten nicht nur eine Provision zahlen, sondern gleichzeitig auch noch Kosten für Krankenkasse, Rente, Versicherungen, Reinigungsmittel, Fahrtkosten und Ausfallzeiten aufbringen. „Die Nettoverdienste liegen damit unter dem Mindestlohn“, sagt Bungart. „Das ist moderne Tagelöhnerei.“ Helpling-Gründer Franke entgegnet: „Dass wir diese Debatte führen, zeigt aus meiner Sicht, dass wir unserem Anspruch, Transparenz in den Markt der haushaltsnahen Dienstleistungen zu bringen, gerecht werden.“

Doch die Kritik kommt nicht nur von der Offline-Konkurrenz. Auch die Stiftung Warentest bemängelt die Portale. Denn Helpling, Book A Tiger und Co. werben auf ihren Internetseiten fettgedruckt mit Steuervorteilen, die durch ihre Vermittlung entstehen. 20 Prozent, so will es das Einkommensteuergesetz, rechnet das Finanzamt auf haushaltsnahe Dienstleistungen an. Das geht, weil die Vermittler im Gegensatz zu illegalen Putzhilfen eine ordentliche Rechnung ausstellen, die elektronisch bezahlt wird und zusammen mit der Steuererklärung eingereicht werden kann.

Stiftung Warentest rät ab

Ob die Rechnungen allerdings als haushaltsnahe Dienstleistungen anerkannt werden, ist aus Sicht der Stiftung Warentest fraglich. Das Einkommensteuergesetz verlangt nämlich ausdrücklich „die Zahlung auf das Konto des Erbringers der Leistung“ – in diesem Fall also auf das Konto der Putzkraft. Im Falle der Putzportale kassieren allerdings die Vermittler zuerst das Geld. Erst nach Abzug der Provision überweisen sie es weiter an die Putzhilfe.

Nicht das einzige Manko, das Stiftung Warentest moniert: Im vergangenen Jahr hat die Verbraucherorganisation fünf Portale getestet und jeweils zwei Putz-Termine vereinbart. Das Ergebnis: Nur in vier von zehn Fällen war die Wohnung wirklich so sauber, wie es die Anbieter beteuern. Zudem gingen einige Putzhilfen früher als vereinbart und nutzten die Putzmittel der Kunden anstatt eigene mitzubringen.

Die Versprechen scheinen auch an anderen Stellen nicht wirklich haltbar. So werben alle Portale damit, nur „geprüfte, professionelle und qualifizierte Reinigungskräfte“ einzustellen. Bewerber müssen demnach ein einwandfreies Führungszeugnis, einen Gewerbeschein und eine Kopie des Personalausweises vorlegen. Außerdem müssen sie in einem persönlichen Interview überzeugen und einen Reinigungstest bestehen, sagen die Portale. Book A Tiger betont zudem, dass nur rund zwei Prozent aller Bewerber am Ende in das Portal aufgenommen werden.