Beide Unternehmen wollen medizinisches Personal mit Sensoren zum regelmäßigen Desinfizieren der Hände animieren.

Zwei Start-ups, eine Idee: Sowohl GWA Hygenie aus Stralsund als auch HyHelp aus Frankfurt haben Geräte entwickelt, die das medizinische Personal in Krankenhäusern und Pflegeheimen dazu animieren soll, regelmäßig Desinfektionsmittel zu verwenden. Aus den Konkurrenten wird nun ein Unternehmen: Wie GWA Hygiene heute mitteilte, hat das Start-up den älteren Wettbewerber vollständig übernommen.

HyHelp ist seit 2016 auf dem Markt, GWA Hygenie startete den Vertrieb 2017. Beide Start-ups bieten an die Kleidung ansteckbare Geräte an, die erfassen, wie oft sich der Träger die Hände desinfiziert. Die Kontrolle soll letztlich dazu beitragen, das Risiko der Weitergabe von Infektionen zu verringern. Zudem können Krankenhäuser über die Technologie eine Dokumentation erstellen – und sich auch rechtlich absichern.

Die Systeme beider Start-ups basieren auf Sensoren, die mit energiesparenden Bluetooth-Sendern für die Datenübertragung arbeiten. Bei GWA Hygenie werden die Desinfektionsvorgänge über Sensoren am Desinfektionsmittelspender gemessen, bei HyHelp erfasst der tragbare Transponder die Vorgänge, indem der Alkoholgehalt in der Luft gemessen wird. „Die Technologie ist eine hervorragende Ergänzung für unser System“, so Tobias Gebhardt im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer.

Unklare Zukunft für HyHelp-Team

GWA Hygenie beschäftigt derzeit knapp 30 Mitarbeiter, bei HyHelp waren es zuletzt um die 20. Eine Komplettübernahme des Teams ist laut Gebhardt nicht vorgesehen. Die Entscheidung zur Akquisition sei sehr schnell getroffen worden, nun wolle man tiefer analysieren, wie das fusionierte Unternehmen aufgestellt wird. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Kapital für die Expansion hat das Stralsunder Start-up vergangenen Sommer eingesammelt: 2,5 Millionen Euro investierten der Münchener Risikokapitalgeber MIG AG und der halbstaatliche High-Tech Gründerfonds. HyHelp bekam im November 2018 Wachstumskapital von der BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen, die zur Wirtschaftsförderung des Bundeslandes gehört.

Infrastruktur für das digitale Krankenhaus

GWA Hygenie gibt an, derzeit rund 6.000 Sensoren in 30 Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen im Einsatz zu haben. Das Start-up will das „Internet der Dinge“ (Internet of Things, kurz: IoT) im Gesundheitswesen künftig auch durch weitere Geräte Realität werden lassen. Denkbar seien etwa Sensoren für die Klappen von Inkubatoren in Neugeborenenstationen oder Türsensoren in OP-Sälen. Auch die Ortung von medizinischen Geräten könnte durch die Bluetooth-Sender vereinfacht werden. „Unser Ziel ist eine einheitliche Infrastruktur für die Digitalisierung von Prozessen in Krankenhäusern“, sagt Gebhardt.

Das Start-up ist dabei explizit an der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen interessiert. Vor zwei Wochen haben bereits GWA Hygiene und B. Braun eine Kooperation bekanntgegeben, wonach der Medizintechnikriese die Sensoren des Start-ups in einen neuen Desinfektionsmittelspender integriert. Das Start-up hofft, mit dem international aufgestellten Partner auch neue Märkte zu erschließen. Pläne für eine eigenständige Expansion in die USA hat GWA Hygiene trotz eines Tickets für das Förderprogramm des German Accelerators Tech zunächst zurückgestellt.