Ich gehe dorthin, weil ich aus meinen vier Wänden fliehen oder andere Menschen sehen will. Der Wiener Schriftsteller Alfred Polgar hat einmal gesagt, man geht ins Caféhaus, weil man allein sein will und dazu Geselligkeit braucht. Man sieht daran, dass es nicht leicht ist, die Konvention beiseitezuschieben und die Funktion dahinter zu erkennen. Haben wir das aber erfolgreich bewältigt, stoßen wir eine Tür auf. Wenn es nicht der Kaffee ist, der das Café ausmacht, wie könnte ich dann ein Caféhaus anders betreiben.

Als Anfänger sind Sie noch nicht betriebsblind!

Schließlich kostet der Kaffee den Besucher Geld und den Besitzer viel Aufwand. Statt für den Kaffee drei Euro bezahlen zu müssen, hätten wahrscheinlich alle Beteiligten mehr davon, wenn man stattdessen einen Euro Eintritt verlangt. Der Besucher spart zwei Euro, der Besitzer ist den ganzen Aufwand los und verdient an dem einen Euro wahrscheinlich mehr als mit der Kaffeekonvention. Damit steht die Tür offen für das, was der Besucher wirklich sucht: angenehme Atmosphäre, Literatur vielleicht. Kommunikatives Personal, das, vom Kaffeebringen befreit, sein Augenmerk darauf richten kann, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen.

Im Café zu Hause sein und als Freund wahrgenommen werden. Sie halten das für unrealistisch? Ein Kollege wies mich darauf hin, dass es so etwas in Ansätzen schon zu geben scheint. Im Café Ziferblat in Moskau bezahlt man nur noch für die Zeit, die man dort verbringt.

Bei dieser Technik des Entrepreneurial Design ist Ihre Chance gerade dann am höchsten, wenn Sie in einem Feld ein Anfänger und noch nicht betriebsblind sind. Funktion statt Konvention erfordert keine großen Vorkenntnisse, sondern lediglich Stringenz im Denken sowie eine gewisse Respektlosigkeit vor den Formen von gestern.