Für Faltin ist Gewinnorientierung nicht per se schlecht. „Wenn Gewinne verdächtig sind und Scheitern als Versagen interpretiert wird, bleibt nicht viel übrig“, schreibt er. Es gebe unbestritten auch Unternehmer, die trotz Gewinnerzielungsabsicht „vorbildlich handeln“. Das Problem sieht der Gründer der Teekampagne dann, „wenn die Gewinnorientierung in Gewinnmaximierung umschlägt“. Dadurch mache man sich Mitarbeiter und Stakeholder zu Gegnern. Faltin wünscht sich stattdessen ein „Unternehmen Wir“, in dem der Gründer mit seinen Beschäftigten und Kunden zusammenarbeitet und nicht versucht, sie abzuzocken.

Auch deshalb spricht er sich gegen teure Waren aus. „Hohe Preise erzeugen Probleme an anderer Stelle; sie sind unsozial für Menschen mit niedrigen Einkommen, bieten skrupellosen Billigproduzenten Angriffsmöglichkeiten oder verzögern die Einführung wünschenswerter Verfahren (Bio-Qualität, fairer Handel)“, argumentiert der Professor.

Hohe Preise sind unsozial

Nicht nur damit wettert Faltin gegen das Establishment. Immer wieder kritisiert der Professor in „Wir sind das Kapital“ gängige Methoden, die angeblich Innovation beweisen sollen – etwa Patente. Er bemängelt auch, wie hoch der bürokratische Aufwand ist, etwa finanzielle Hilfen der Europäischen Union zu beantragen.

Diese Aussage dürfte der konventionellen Wirtschaft in etwa so gut gefallen wie Faltins Forderung, auf Marketing zu verzichten. Statt das „Konsum-Monster“, wie er es nennt, weiter zu füttern, solle ein Gründer mit Qualität und Nachhaltigkeit überzeugen. Das mag sich naiv anhören, doch Faltin überzeugt seine Leser mit vielen Beispielen davon, wie das funktionieren kann. Nicht zuletzt verweist er immer wieder auf die Teekampagne, sein eigenes Unternehmen, mit dem er heute Marktführer bei Darjeeling-Tee ist. Und das, obwohl er nicht auf teure Produkte, teures Marketing und teure Verpackung setzt.