In Westdeutschland wird häufiger gegründet als im Osten. Eine Untersuchung kommt den Gründen für dieses Gefälle auf die Spur.

In Sachen Unternehmensgründungen gibt es ein deutliches West-Ost-Gefälle, das zeigt eine Studie der Universität Hannover in Kooperation mit dem RKW Kompetenzzentrum im Rahmen des Global Entrepreneurship Monitor (GEM): So hat in Westdeutschland seit 2015 eine von neunzehn Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren ein Unternehmen gegründet, oder ist gerade dabei diesen Schritt vorzubereiten (5,2 Prozent). In Ostdeutschland ist die Gründungsquote geringer. Nur eine von sechsundzwanzig Personen hat im selben Zeitraum gegründet oder plant eine selbständige Tätigkeit (3,9 Prozent). Ohne die Start-up-Hauptstadt Berlin würden die Unterschiede sogar noch etwas deutlicher ausfallen. 

Allgemeine Gründe für die niedrigere Gründungsquote in Ostdeutschland sind unter anderem der Anteil ländlicher und peripherer Räume, schrumpfende Städte und Gemeinden sowie wirtschaftsstrukturelle Aspekte. Darüber hinaus spielt auch die Wahrnehmung von Gründungschancen eine wichtige Rolle: Zwar wurde diese generell in Deutschland in den letzten Jahren optimistischer und erreichte 2018 den höchsten Wert seit Beginn der Erhebungen im Rahmen des GEM, die Unterscheidung zwischen West- und Ostdeutschland (inklusive Berlin) zeigt jedoch, dass in Westdeutschland 43,1 Prozent der Befragten in den nächsten sechs Monaten gute Gründungschancen in ihrer Region sehen, im Osten der Republik dagegen nur 37,6 Prozent.

Vertrauen in eigene Fähigkeiten

Auch in Sachen Einschätzung der eigenen Gründungsfähigkeiten konstatieren die Macher der Studie einen – wenn auch geringen – Unterschied: Während in Westdeutschland 38,5 Prozent der 18 bis 64-Jährigen in Deutschland angeben über ausreichende Fähigkeiten und Erfahrungen zur Umsetzung einer Gründung zu verfügen, sind es in Ostdeutschland 36,2 Prozent. Gleich verteilt ist dagegen die Angst vor dem Scheitern. Sowohl in Ost-als auch in Westdeutschland würden knapp 40 Prozent aus diesem Grund eine Gründung unterlassen. Im Umkehrschluss spielen diese Zweifel für 60 Prozent der Befragten keine Rolle.