Große Pläne? Ja. Große Finanzpolster? In der Regel nicht. Eine Umfrage zeigt, dass die meisten Neu-Unternehmer mit überschaubaren Ersparnissen gründen.

Der eigene Chef sein, etwas Eigenes aufbauen: Das sind immer noch die stärksten Treiber für Gründer in Deutschland. Jeweils knapp 50 Prozent der Unternehmensgründer stimmten diesen beiden Punkten in einer aktuellen Umfrage zu. Die hatte die Commerzbank in diesem Sommer durchgeführt und dafür 3000 Unternehmer befragt, die innerhalb der letzten sechs Jahre gegründet hatten – quer durch alle Banchen und Gewerke.

Nur gut jeder fünfte Befragte gibt dagegen an, durch den Start in die Selbstständigkeit mehr Geld verdienen zu wollen. Das passt zu den generell zurückgehenden Gründungszahlen. Die lange Phase des wirtschaftlichen Aufschwungs sorgte für einen großen Personalbedarf bei den Unternehmen – auch aktuell halten sich viele Konzerne noch mit Massenentlassungen zurück. Damit gibt es nur wenige Menschen, die aus wirtschaftlicher Not heraus gründen. Und auch unter jungen Menschen ist die Gründungsneigung nicht exorbitant hoch.

Viel Eigenkapital für das eigene Unternehmen

Für Start-ups, die sich durch einen höheren technologischen Fokus und starke Wachstumsbemühungen unterscheiden, gibt es verschiedene Betrachtungen. Die Förderbank KfW etwa stellte vor einem Jahr ein deutliches Wachstum bei Start-up-Gründungen fest. Das Forschungsinstitut ZEW blickte auf einen unterschiedlichen Datensatz der sogenannten forschungsintensiven Branchen – hier sank die Zahl der Gründungen.

Die Commerzbank-Untersuchung zeigt in einigen der Ergebnisse jedoch auf, wie wenig sich normale Gründungen und Start-up-Gründungen unterscheiden. Laut der Befragung sind vier vo fünf Gründern männlich. Bei Start-ups liegt dieser Wert laut allen Befragungen sogar noch ein Stückchen tiefer.

Spannend ist der Blick auf die Finanzierungslage. Ein knappes Drittel der Befragten startet mit maximal 20.000 Euro in die Selbstständigkeit. Nur jeder sechste Gründer hat mehr als 100.000 Euro als Anschubfinanzierug parat. Bei 78 Prozent der neu gegründeten Unternehmen stammt das Geld ausschließlich aus eigenen Ersparnissen. Dieser Wert ist annähernd identisch mit Untersuchungen des Start-up-Sektors im Speziellen.

Furcht vor Fördermitteln

Nur jeder zehnte Gründer setzt auf öffentliche Fördermittel. Und das, obwohl verschiedene Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene zuletzt mit großer Öffentlichkeitswirksamkeit aufgepolster wurden. Doch die Bürokratie ist für junge Unternehmer der Hauptgegner: 45 Prozent der Befragten nennen sie als größte Hürde bei der Gründung – doppelt so viele wie die Gewinnung von Kunden.

Die Finanzplanung darf dabei bei der aller Gründungseuphorie nicht aus den Augen geraten. Denn das Startkapital von fast jedem zweiten Unternehmen ist bereits nach sechs Monaten aufgebraucht. „Es ist daher sinnvoll, schon frühzeitig Alternativen zu prüfen und auf seine Bank zuzugehen“, sagt Herbert Maier, Leiter Unternehmenskunden bei der Commerzbank Süd. „Auch, um öffentliche Fördermittel von Anfang an zu beantragen oder über das Banknetzwerk wichtig Investoren zu finden.“