Studien zufolge ist nur jedes zehnte Start-up langfristig erfolgreich. Welche Fehler Jungunternehmer begehen – und wie sie sich davor schützen.

Ein Gastbeitrag des renommierten Insolvenzverwalters Lucas Flöther, der derzeit auch Unister als Mandat hat.

Die Kultur des Scheiterns ist in der Start-up-Szene allgegenwärtig – leider. Ein Großteil der Jungunternehmen schafft es nicht, langfristig erfolgreich zu sein. Zwar kann das Scheitern viele Gründe haben. Meist liegt es allerdings daran, dass einige wesentliche Prinzipien missachtet werden.

Die Euphorie angesichts einer visionären Idee vernebelt häufig den Blick für die Realität. Gründer sollten sich deshalb fragen: Bringt meine Idee einen wirklichen Zusatznutzen, der sich beim Kunden in Euro und Cent auszahlt? Wenn Kunden sagen: „Die Idee ist ganz nett, aber kaufen würde ich sie nicht“ – dann hat man nichts gewonnen. Damit sich ein Unternehmen etablieren kann, müssen zudem Märkte adressiert werden, die ausreichend groß sind.

Das heißt: Lösen Startups ein Problem am Markt, das es gar nicht gibt, ist das Scheitern programmiert. Es gilt: Finde nicht Kunden für dein Produkt – finde ein Produkt für deine Kunden.

Außerdem werden am Anfang häufig grobe Kalkulationsfehler begangen. Während die einen Gründer den Umsatz des eigenen Produkts zu hoch einschätzen, vergessen andere sogar die Kalkulation grundlegender Fixkosten, von der Miete bis hin zum eigenen Gehalt.

Dabei ist es entscheidend, dass Unternehmer alle wichtigen Kennzahlen sofort abrufen können. Das gilt insbesondere für alle Verbindlichkeiten und deren Fälligkeiten. Dazu zählen allerdings nicht nur die Kreditoren aus der Offene-Posten-Liste wie zum Beispiel Lieferanten. Auch die Höhe und Fristen von Zahlungen an Krankenkassen, das Finanzamt, Arbeitnehmer oder Banken sind entscheidend. Und: Besonders in der Anfangszeit muss das Ausfallrisiko von Kunden einkalkuliert werden.

Mehr als die Hälfte der Start-ups scheitert an internen Streitigkeiten

Bei der Finanzierung setzen junge Unternehmer seit Jahren überwiegend auf Freunde und Familie als Kapitalgeber. Aber auch Business Angels und Risikokapital-Geber gewinnen weiter an Bedeutung. Der einfache Zugang zu Kapital kann jedoch gefährlich werden. Sobald die gute Konjunktur nachlässt, ist der negative Effekt auf Jungunternehmer umso heftiger. Besonders dann, wenn Gründer zu wenig Eigenkapital haben.

Mehr als die Hälfte aller Jungunternehmen scheitert nach Angaben der Berliner Startup Acadamy an internen Streitigkeiten. Die Ursachen für Krisen sind vielfältig: Zahlungsunfähigkeit bei Kunden oder Geschäftspartnern sowie Krankheiten oder Wirtschaftskrisen, aber auch eine unzureichende Unternehmensplanung, mangelhafte Unternehmensführung oder eine fehlerhafte Kalkulation. Für Start-ups ist es deshalb besonders wichtig, langfristig zu denken. Ein guter Unternehmer weiß mehrere Monate im Voraus, dass ein Liquiditätsbedarf durch größere Investitionen, Darlehensrück- oder Steuerzahlungen ansteht.

Erwirtschaftet ein Start-up die ersten Überschüsse, sollte es dieses Geld langfristig im Unternehmen einplanen, Rücklagen bilden – und auf allzu schnelles Wachstum verzichten. Das kostet Liquidität. Wer nur wachsen will um des Wachsens willen, der hat schnell ein existenzielles Problem, wenn die Eigenkapitalrücklagen gering sind. Häufig haben Jungunternehmer nur den Umsatz und weniger den Ertrag im Fokus. Das kann schnell Liquiditätsprobleme auslösen.

Schlittert ein Start-up dennoch in die Insolvenz, muss das nicht das Ende sein. Im Gegenteil: Die Insolvenz kann sogar die unangenehmen Folgen einer finanziellen Katastrophe abwenden. Am Ende kann nämlich die Entschuldung des Unternehmens stehen, sodass ein Neuanfang gewagt werden kann. Voraussetzung ist, frühzeitig zu reagieren: Wer trotz Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens versäumt, begeht den Straftatbestand der Insolvenzverschleppung.

Bei all diesen Bedenken könnte man sich fragen: Lohnt Gründen überhaupt? Studien sagen ganz klar: Ja! Der Deutsche Startup-Monitor hat herausgefunden, dass Gründer deutlich zufriedener mit ihrer Lebenssituation sind als Angestellte. Selbst wenn das eigene Startup aufgegeben werden müsse, würden mehr als 80 Prozent weiterhin einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen. Zwei Drittel der Befragten würden sogar ein neues Start-up gründen. Gründer, die zur richtigen Zeit mit der richtigen Idee auf den Markt treffen, haben große Chancen. Wer darüber hinaus alle Risiken stets im Blick behält und rechtzeitig handelt, wird auch langfristig erfolgreich sein.