Demnach kann sich die Einstellung der Straftäter durch das Programm „grundlegend verändern“. Für die am Donnerstag offiziell vorgestellte Erhebung haben die Forscher mit zwölf Teilnehmern des ersten 20-wöchigen Kurses im Jahr 2011 je drei qualitative Interviews geführt – am Anfang, währenddessen und am Ende des Programms. Das Ergebnis: Viele Teilnehmer glaubten nach dem Kurs „nicht nur stärker an ihre eigenen Kompetenzen“, sie änderten auch ihre Haltung „sowohl gegenüber ihrer Inhaftierung als auch gegenüber ihren Mitmenschen“, schreiben die Autoren in der Studie.

Auch die Rückfallquote verbesserte sich durch das Programm: Deutschlandweit kommen 46 Prozent der Straftäter drei Jahre nach ihrer Entlassung wieder in Konflikt mit dem Gesetz, sie landen entweder erneut hinter Gitter, erhalten Bewährung oder bekommen eine Geldstrafe. Bei Jopens Gründerkursen ist das anders. Dort liegt die Rückfallquote gerade einmal bei zwölf Prozent, ein Viertel des Durchschnittswertes. Allerdings betont der Programmleiter, dass die Zahlen nicht hundertprozentig vergleichbar seien, da noch nicht alle Ex-Häftlinge seines Programms schon drei Jahre entlassen sind und da man keinen „ganz genauen“ Überblick über die Daten habe.

Generell sind Betreuungsangebote für ehemalige Häftlinge oder Wiedereingliederungsmaßnahmen selten: „Der Vollzug, die Gefängnisse sind eine künstliche Welt – und in einer künstlichen Welt kann ich nicht simulieren oder vorbereiten auf die reale Welt“, sagt der Kriminologe Bernd Maelicke in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. Dabei steht sogar im Strafgesetzbuch, dass Häftlinge spätestens drei Monate vor ihrem Entlassungstermin auf die Freiheit vorbereitet werden sollen. Das geschieht allerdings kaum. Einige Gefängnisse versuchen dem etwa mit Bildungsmaßnahmen entgegen zu wirken. In der Haft können Straftäter Schulabschlüsse nachholen, eine Lehre machen oder studieren – wenigstens ein bisschen Alltag hinter Gittern. Zu den anderen Maßnahmen gehören neben Therapien, auch Anti-Gewalt-Training oder sogar Schauspielunterricht – und eben Gründerkurse.

Nicht der durchschnittliche Strafgefangene

Die verbesserte Einstellung nach den Kursen trifft aber nicht auf alle Teilnehmer zu: Fünf von ihnen brachen den Kurs ab. Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei diesen Häftlingen eine sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“ zu erkennen war. „Einige von ihnen haben in den Gesprächen auf alle Leute geschimpft, haben die Fehler bei ihrer Familie oder dem Staat gesucht“, berichtet Holger Patzelt, Professor an der TU München und einer der Studienautoren. Die fünf Sträflinge hätten auch keine Verantwortung für ihre Taten, wegen derer sie im Gefängnis gelandet waren, übernommen.

Auch deshalb sind die Auswahlkriterien für die Gründerkurse heute anders als noch 2011. „Die Auswahl der Teilnehmer dreht sich heute stärker um persönliche Eigenschaften“, sagt Patzelt. Man habe daher „nicht den durchschnittlichen Strafgefangenen“ vor sich. Einige Häftlinge sind zudem wegen ihrer Taten von Anfang an von der Teilnahme ausgeschlossen: Sexualstraftäter und Trickbetrüger. Mit den Straftätern, die Sexualdelikte begangen haben, wollen die weiblichen Mentoren nicht zusammenarbeiten. Mit Serienbetrügern umzugene, traue man sich hingegen einfach nicht zu, sagt Jopen.