Wissenschaftler Künn kann den Unterschied erklären: „Bei den Gründern aus der Arbeitslosigkeit heraus waren die Defizite einfach viel größer.“ Ihnen fehlte das Wissen, wie sich ein Unternehmen gründen lässt. Aus diesem Grund profitierten sie auch stärker von dem Gründercoaching. Obwohl das Programm erfolgreich funktionierte, wurde es 2013 von der damaligen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen eingestellt. Der Fokus ihrer Arbeitsmarktpolitik hatte sich geändert, sagen Experten. Damit wurde ausgerechnet das Programm gestrichen, dessen Effektivität wissenschaftlich belegt war.

Über das allgemeine Gründercoaching schrieben die Wissenschaftler dagegen: „Vor dem Hintergrund der vorgetragenen Befunde erscheint […] insbesondere das GCD als revisionsbedürftig, um eine Fortführung zu rechtfertigen und die beabsichtigten Programmwirkungen tatsächlich erreichen zu können.“ So empfehlen die Wissenschaftler auch, das Programm stärker auf eine Zielgruppe, beispielsweise auf Gründer in einer Frühphase oder in Krisensituationen, zuzuschneiden. „Die Vertreter aus den Ministerien und der KfW hatten ein offenes Ohr für Verbesserungsvorschläge“, sagt Künn im Rückblick. Öfter hätte er jedoch die Antwort bekommen: „Ist halt schwierig, das umzusetzen.“

„Unser grundsätzliches Ergebnis hat Bestand“

Mit der Fortführung des Programms, das ab Anfang Mai startet, versucht die Förderbank genau das. Künftig dürfen Gründer die Förderungen in den ersten zwei Jahren am Markt beantragen, früher waren es fünf Jahre. „Untersuchungen haben gezeigt, dass der größte Beratungsbedarf in den ersten zwei Jahren vorhanden ist“, sagt Bukowski. Nach dem Gespräch verweist die KfW-Pressestelle noch auf die Empfehlungen der Wissenschaftler.

Doch reicht die Reform? „Eine Beschränkung auf die ersten zwei Jahre nach der Gründung halte ich für einen sinnvollen Schritt“, sagt Wissenschaftler Künn. Denn Fehler aus den Anfangsjahren der Gründung ließen sich schwer rückgängig machen. Auch in anderen Kritikpunkten der Evaluation wie der Qualität der Coaches sei das Programm nach der Reform 2011 durch ein Bewertungssystem der Gründer nun besser konzipiert. Der Untersuchungszeitraum der Evaluation bezieht sich nämlich auf den Zeitraum vor der ersten Reform. Künn betont aber, bezogen auf die Reformen von 2011: „Einige Kinderkrankheiten wurden seitdem ausgemerzt, aber unser grundsätzliches Ergebnis hat meiner Meinung nach Bestand.“

Die Förderbank will ihr leicht reformiertes Beratungsprogramm nun bis zum Ende des Jahres fortführen, danach wird das Programm vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (BAFA) übernommen. Die Mittel beim ESF seien beantragt, aber das Geld steht vor allem wegen technischer Fragen noch nicht für die Gründer bereit. Ab Anfang 2016 soll es dann soweit sein. Erst nach einer weiteren Evaluation lässt sich beurteilen, ob die Reform ausreicht.

Künn und seine Kollegen halten eine weitere Untersuchung nach den Reformen für sinnvoll, sie haben den Ministerien und der KfW eine weitere Auswertungvorgeschlagen. Dazu heißt es im Bericht der Wissenschaftler: „Der Auftraggeber hat sich jedoch gegen die Durchführung der Untersuchung entschieden.“