Welche Erfahrungen hast du in der Start-up-Szene gemacht?

Als Gründer liebt man sein Unternehmen. Egal was auch passiert, man zieht wieder die rosarote Brille auf und präsentiert sich der Welt in bester Start-up-Laune. Da bin ich keine Ausnahme. Ein Mann hat mir mal gesagt: „Du bist erst dann ein richtiger Unternehmer, wenn Du abends an Deinem Schreibtisch saßt und nicht wusstest, wie es morgen weitergehen soll.“ Genau sowas habe ich erlebt. Ich war verzweifelt und habe mich abwechselnd so gefühlt, als sei ich als Unternehmer absolut unfähig oder die ganze Welt gegen mich.

Wann gab es solche Situationen?

Ich war immer in dem Glauben, dass ich noch die eine wichtige Verhandlung, das eine Investment oder den einen Entwicklungssprint schaffen müsste, damit endlich alles gut wird. Das war nicht der Fall. Eine verzögerte Entwicklung hat mich zur Verzweiflung gebracht und ich bastelte nachts vor einer wichtigen Präsentation im Hotelzimmer noch an Bugs herum. Ein anderes Mal wurde das Geld schlafraubend knapp, als ein großer Kunde nicht zahlte.

Wie hast du reagiert?

Beinahe hätte ich massiv Stellen kürzen und den Rest meiner Gründerkarriere mit Anwälten verbringen müssen. Stattdessen habe ich alles stehen und liegen gelassen, mich ins Auto gesetzt und Endkunden, Märkte und Experten besucht. Mein Ziel war es, Daten und Erfahrungen zu sammeln, um neuen Investor und Zulieferer zu überzeugen. Dadurch konnte ich die Produktion wieder anfahren – so konnte ich die Krise meistern.

Wie bist du persönlich mit diesen Tiefschlägen umgegangen?

In den letzten Monaten habe ich häufig vor Schulklassen oder in Universitäten Vortrage gehalten, um meine Liebe und Passion für das Gründertum weiterzutragen. Gleichzeitig ist es mir aber wirklich wichtig, auch zu zeigen, dass Gründen eben nicht nur viel Investorengeld, Partys, Freiheit und Publicity bringt, wie es in Artikeln und Fernsehberichten, auch über mich, häufig den Anschein erweckt. Gründen ist unglaublich erfüllend. Es ist aber auch verdammt hart und die nächtlichen Zweifel am Schreibtisch werden immer wiederkommen.