Das Wiener Start-up will zum „globalen Champion“ aufsteigen. Zunächst steht aber die Expansion nach Frankreich und Spanien an.

Keine drei Jahre ist das Start-up von Felix Ohswald und Mitgründer Gregor Müller alt – doch das Duo hat es eilig, das Unternehmen zu vergrößern. Hundert neue Mitarbeiter sollen bei GoStudent alleine in diesem Jahr hinzukommen, mit Spanien und Frankreich sollen in den kommenden Monaten die ersten Märkte außerhalb des deutschsprachigen Raums erschlossen werden. „Wir haben einen Vorsprung gegenüber Wettbewerbern, den wir nutzen wollen“, sagt CEO Felix Ohswald. „Unser Ziel ist es, zunächst einen europäischen und dann einen globalen Champion aufzubauen.“

GoStudent ist eine digitale Lernplattform für Nachhilfeunterricht. Das Wiener Start-up bringt Schüler mit passenden Nachhilfelehrern zusammen, kümmert sich um die Terminabsprachen – und stellt die technische Infrastruktur für den eigentlichen Online-Unterricht per Videotelefonat. Außerdem gibt es einen kostenlosen Hausaufgaben-Chat. Angeboten wird der Unterricht für alle Jahrgänge und Fächer. Laut Ohswald nutzen aktuell mehr als 3.000 Schüler das Angebot. Dem stehen 1.100 Tutoren gegenüber, bei denen es sich oft mit Studenten handelt.

Monatliches Wachstum von 30 Prozent

Eigenen Angaben zufolge ist das Start-up im Dach-Raum bereits Marktführer. Der Umsatz sei im vergangenen Jahr jeden Monat um 30 Prozent gewachsen. „Wir haben vom Marketing über das Recruiting der Tutoren bis zur Kundenansprache lange experimentiert“, sagt Ohswald. „Jetzt haben wir ein Modell gefunden, mit dem wir auch außerhalb des deutschsprachigen Raums wachsen können.“ Beim Vertrieb setzt GoStudent auf Abo-Pakete: Je länger sich Kunden an die Plattform binden, desto günstiger sind die einzelnen Nachhilfestunden. Gegenüber stationären Lernzentren sei das digitale Angebot rund 30 Prozent günstiger, sagt Ohswald.

Für die Expansion haben die Gründer nun zwei internationale Investoren an Bord geholt. Angeführt wurde die 8,3 Millionen Euro schwere Finanzierungsrunde, die knapp zwei Jahre nach der letzten Kapitalspritze erfolgt, von Left Lane Capital. Der in New York ansässige Wagniskapitalgeber war vor einem Jahr von früheren Mitarbeitern des VC-Riesen Insight Ventures gegründet worden. Zweiter großer Neuinvestor ist DN Capital aus London – in Deutschland unter anderem für Beteiligungen an Tourlane sowie Auto1 bekannt. Darüber hinaus hat GoStudent NFQ für sich gewonnen, ein Investmentvehikel der Swoodoo- und HomeToGo-Gründer.

Ohne Lockangebote durch die Corona-Krise

Mit der Finanzspritze ist GoStudent deutlich besser mit Kapital ausgestattet als beispielsweise der deutsche Konkurrent EasyTutor, der im Mai ebenfalls neue Investoren an Bord geholt hat. Anders als viele andere Start-up verzeichneten Anbieter für digitale Bildung kaum Einbußen durch die Corona-Krise – sondern verzeichneten überwiegend einen starken Kundenzulauf. Auf spezielle Lockangebote hat GoStudent in den vergangenen Wochen aber verzichtet. „Die Wertigkeit leidet, wenn man Dienstleistungen zu lange verschenkt“, sagt Ohswald. Unabhängig von der Corona-Krise biete man aber stets eine kostenlose Probestunde für potenzielle Neukunden an.

Neben der Auslands-Expansion stehen nun auch neue Unterrichtsformate auf der Agenda des Start-ups. So sollen Versuche mit Gruppenunterricht ausgeweitet werden. Dieser sei nicht nur preislich attraktiver für Kunden, sondern könne auch pädagogisch eine sinnvolle Ergänzung sein, so Ohswald. In die Produktion eigener Lernvideos oder Übungsblätter will das Start-up indes nicht einstiegen – das Feld besetzten bereits Plattformen wie Sofatutor oder The Simple Club. „Unser Ansatz ist es, individuell auf die Themen einzugehen, die die Schüler mit in den Unterricht bringen.“ Das galt schon für das erste das Angebot des Start-ups: Losgelegt hatten die Gründer mit einem Service, bei dem Schüler per WhatsApp Fragen an Tutoren richten konnten.