Ijad Madisch ist der Gründer von ResearchGate. (Foto: PR/ResearchGate)

Ijad Madisch ist der Gründer von ResearchGate.
(Foto: PR/ResearchGate)

ResearchGate-Mitgründer Ijad Madisch:„Kriegen Sie den Firlefanz aus dem Kopf“

Ijad Madisch (34) ist einer der Gründer des Sozialen Netzwerkes ResearchGate. Bei ResearchGate können sich Wissenschaftler vernetzten, Fachartikel und unpublizierte Daten austauschen sowie Fragen diskutieren. Gestartet 2008 in Hannover wird es mittlerweile von sechs Millionen Forschern auf der ganzen Welt benutzt und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. Zu den beteiligten Investoren zählt unter anderem Bill Gates.

Herr Madisch, was hat Sie zum Gründen motiviert?
Bevor ich ResearchGate gegründet habe, war ich selbst als Mediziner in der Forschung tätig. Dabei bin ich immer wieder an Grenzen gestoßen, die ich allein nicht überwinden konnte. Das hat mich zum Gründen motiviert. Ich wollte etwas schaffen, damit andere Wissenschaftler (und ich) ihre Erfahrungen teilen und nicht immer wieder über dieselben Probleme stolperten.

Worin sehen Sie Ihre persönlichen Erfolgsgeheimnisse und was davon können Sie anderen Gründern raten?
Wenn es ein Erfolgsgeheimnis gibt, dann ist es unser Team. Wir sind über 140 Leute und jeder einzelne von uns will die Wissenschaft mit ResearchGate zum Besseren verändern.

Wie oft hätten Sie am liebsten alles hingeschmissen und was haben sie gemacht, um dann wieder Mut zu fassen?
Ich wollte nie alles hinschmeißen, dafür ist mir das, was wir machen viel zu wichtig. Natürlich war ich besonders am Anfang manchmal unsicher. Einmal habe ich dann meinen Freund und Mitgründer Horst Fickenscher angerufen und er hat einfach nur gesagt: „Du machst das schon.“ Er hat mir voll vertraut. Das hat mich auf der einen Seite noch mehr beunruhigt, aber auch angespornt: Jetzt musste ich das hinkriegen.

Was würden Sie selbst noch einmal genauso machen, was auf jeden Fall ganz anders?
Ich würde alles noch mal genauso machen. Wir haben immer viel Gegenwind bekommen, was kein Wunder ist, wenn man ein so altes System wie die Wissenschaft von Grund auf verändern möchte. „Kriegen Sie den Firlefanz aus dem Kopf“, meinte mein Professor an der Medizinischen Hochschule Hannover. Solche Konfrontationen sind gesund, weil sie zeigen, dass wir etwas verändern. Davon würde ich nichts missen wollen. Auch mein Professor hat sich schließlich in unserem Netzwerk angemeldet.

Vor welchen Fehlern und Fallstricken würden Sie künftige Gründer warnen wollen?
Mir wurde geraten, nicht mit Freunden zu gründen und Berufliches und Privates zu trennen. Dabei hätte mir nichts Besseres passieren können, als mit meinen Freunden Sören Hofmayer und Horst Fickenscher ResearchGate aufzubauen. Wenn du deinen Freunden nicht vertrauen kannst, wem dann? Wir sind alle drei von Anfang dabei. Jeder hat seine Aufgaben und das klappt sehr gut, entgegen dem anfänglichen Rat. Deswegen würde ich Gründern raten, nicht jedem Rat zu folgen.

Wie bereitet man sich Ihrer Meinung und Erfahrung nach am Besten auf eine Gründung bzw. eine Selbstständigkeit vor?
Die beste Vorbereitung auf eine Gründung ist, einen guten Grund zum Gründen zu haben. Etwas, wovon man Ahnung hat, was einen wirklich bewegt und nicht nur des Geldes wegen zu gründen.

Welchen Satz würden Sie Menschen, die gerade erwägen, ein Unternehmen zu gründen, mit auf den Weg geben wollen?
Do it!