Götz Werner hat die Drogeriekette dm gegründet. (Foto: dpa)

Götz Werner hat die Drogeriekette dm gegründet.
(Foto: dpa)

dm-Gründer Götz W. Werner: „Heute würde ich alles anders machen“

Was die Albrecht-Brüder für den Lebensmittelhandel sind, ist Götz W. Werner für den Drogeriehandel. 1973, als 29-Jähriger, gründete der gelernte Drogist dm (kurz für Drogeriemarkt). Das Konzept: ein Drogeriediscounter. Selbstbedienung zu günstigen Preisen. Heute umfasst das Unternehmen nach eigenen Angaben europaweit mehr als 3100 Filialen mit einem Umsatz von jährlich acht Milliarden Euro. Werner hat sich 2008 aus dem Geschäftsleitung in den Aufsichtsrat zurückgezogen. Von 2003 bis 2010 leitete er das Institut für Entrepreneurship am Karlsruher Institut für Technologie.

Herr Werner, was hat Sie zum Gründen motiviert?
Ich war in einer Drogerie angestellt, der es wirtschaftlich nicht gut ging. Es war ein großes Sortiment, aber wenig Umsatz. Ich schlug vor, das Geschäftsmodell komplett zu ändern: absolute Selbstbedienung, hoher Warenumschlag. Für damalige Verhältnisse war das visionär. Die Firmeninhaber waren skeptisch und wollten vorher einen Beweis, dass es funktioniert. Das ging selbstverständlich nicht. Denn das ist ja die Essenz einer kreativen Neuidee: Sie ist neu! Also musste ich es mir selbst beweisen und den Weg anfangs alleine gehen.

Worin sehen Sie Ihre persönlichen Erfolgsgeheimnisse und was davon können Sie anderen Gründern raten?
Als Gründer muss man etwas verdienen. Und verdienen kommt von dienen – und vom Dienst am Kunden. Das ist das Wichtigste! Man muss die Bedürfnisse der Kunden im Auge haben. Viele Start-ups scheitern, weil sie das verwirklichen wollen, was ihnen Spaß macht, aber nicht das, was die Kunden wollen. Doch wie sagt man immer so schön: Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler!

Wie oft hätten Sie am liebsten alles hingeschmissen und was haben Sie gemacht, um dann wieder Mut zu fassen?
Das gab es nicht. Es lief von Anfang an viel besser, als ich erwartet hatte. Allerdings muss ein Unternehmen auch von Anfang an funktionieren. Man kann nicht erst fünf oder zehn Jahre rumexperimentieren, bis man das richtige Geschäftsmodel hat.

Was würden Sie selbst noch einmal genauso machen, was auf jeden Fall ganz anders?
Heute würde ich alles anders machen. Sonst hätte ich mich in den vergangenen 42 Jahren nicht weiterentwickelt. Aber grundsätzlich, was das Unternehmerische betrifft, würde ich vieles nochmal so machen. Vielleicht würde ich mir heute vorher mehr Gedanken machen. Aber wenn ich das damals getan hätte, hätte ich vermutlich gar nicht gegründet. Zum Gründen gehört immer ein Schuss Verwegenheit und Mut. Man sollte nicht leichtsinnig sein, aber man muss auch nicht immer alles durchanalysieren, sondern sich ein Herz fassen und auch Risiken eingehen.

Vor welchen Fehlern und Fallstricken würden Sie künftige Gründer warnen wollen?
Ein großer Fehler ist, seine Kunden nicht zu verstehen. Wenn man anfangs nicht genau weiß, was die Kunden benötigen, muss man es in Erfahrung bringen. Fragen und beobachten, fragen und beobachten, fragen und beobachten. Ständig und überall. Ein anderer Fehler ist, zu meinen, man müsse die richtigen Antworten haben, um ins Geschäft zu gehen. Dabei kommt es auf die richtige Fragestellung an! Antworten entstammen der Vergangenheit; die Fragen eröffnen die Zukunft. Schumpeter hat mal gesagt: Nur wer die Regeln ändert, hat Erfolg. Man sollte sich also immer fragen: Mache ich etwas substantiell Neues?

Wie bereitet man sich Ihrer Meinung und Erfahrung nach am Besten auf eine Gründung beziehungsweise eine Selbstständigkeit vor?
Gründer sollten sich in ihrem Geschäftsbereich auskennen. Nur Universitätswissen ohne praktische Expertise genügt nicht. Sie sollten aber nicht zu sehr Fachmann sein, dass sie Möglichkeiten für Neuerungen nicht mehr erkennen. Als nächstes sollten Gründer genau schauen, ob sie die Engpässe der Kunden treffen. Und man sollte sich vor der Gründung vielleicht auch überlegen, was man macht, wenn es nicht so läuft. Risiken eingehen macht vor allem dann Sinn, wenn man weiß, dass es auch gut ist, wenn es nicht klappt.

Welchen Satz würden Sie Menschen, die gerade erwägen, ein Unternehmen zu gründen, mit auf den Weg geben wollen?
Gründen ist immer gut; es ist das Beste, was Ihnen passieren kann.