Mit digitalen Angeboten will das Start-up die Versicherungsbranche aufmischen. Der Weg ist weit – das Selbstbewusstsein von Gründern und Investoren jedoch groß. 15 Millionen Euro sollen jetzt bei der Skalierung des Geschäfts helfen.

Haftpflicht, Hausrat, Rechtsschutz: Mit aktuell drei verschiedenen Versicherungsprodukten will das Start-up Getsafe vor allem die Generation der “Digital Natives” erreichen. Das erst 2015 gegründete Unternehmen positioniert sich dabei mit seinen Produkten als Konkurrent von Branchenriesen wie der Allianz, HDI oder Axa. Investoren glauben trotzdem an die Chancen des Start-ups: 15 Millionen hat Getsafe in einer aktuellen Finanzierungsrunde eingesammelt.

Angeführt wird das Investment von dem Risikokapitalgeber Earlybird. Daneben steigt auch die Beteiligungsgesellschaft der Commerzbank mit ein. Weiteres Geld kommt laut einer aktuellen Pressemitteilung von bestehenden Investoren. Mit seinen digitalen Angeboten will Getsafe zur „beliebtesten Versicherungsmarke für junge, noch unversicherte Kunden in ganz Europa werden“, sagt Mitgründer Christian Wiens.

Die eigene IT als Alleinstellungsmerkmal

Stolz ist das Heidelberger Start-up darauf, die komplette Versicherungs-IT selbst zu entwickeln. Gestartet waren die Gründer mit einem Maklerdienst für Versicherungen – diese Sparte stießen sie jedoch 2018 an Verivox ab. Seitdem fokussiert sich das aktuell etwa 50-köpfige Team darauf, die technologische Basis zu schaffen, um Versicherungsprodukte komplett digital anbieten zu können.

Trotz ehrgeiziger Pläne liegt noch ein weiter Weg vor dem jungen Unternehmen: Geht es um die Haftpflichtversicherung, laufen allein in Deutschland etwa 47 Millionen Verträge. Bis zum Jahresende will Getsafe über alle Produkte auf 180.000 verkaufte Policen kommen. In der selbst definierten Gruppe der 20- bis 35-jährigen Kunden will man auf einen Marktanteil von zehn Prozent kommen.

Die eigene Plattform sei vor allem jedoch „sparten-, währungs- und steuerunabhängig“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung.  Das soll ein schnelles Wachstum mit neuen Produkten und in neuen Ländern ermöglichen: „Jetzt geht es darum, unsere Aktivitäten im In- und Ausland auszuweiten“, sagt Wiens. In den nächsten zwei Jahren will das Start-up in mehrere europäische Länder vorstoßen.

Viel Aufwand für Start-ups

Die enormen bürokratischen und finanziellen Anforderungen sind eine besondere Herausforderung für die sogenannten Insurtechs, die sich am oder rund um das Kerngeschäft von Versicherungen abarbeiten. Um eine Lizenz der Aufsichtsbehörde Bafin zu erhalten, müssen Versicherer ausreichende Kapitalpuffer und saubere Geschäftspläne vorlegen – die Umsätze kommen erst danach. Start-ups wie Coya versuchen es dennoch auch mit eigener Versicherungslizenz, Ottonova will mit einer digitalen Infrastruktur als priovate Krankenversicherung punkten.

Getsafe hat für sich klar abgegrenzt, wo es Wertschöpfung schaffen will: Die IT-Infrastruktur soll deutlich effizienter und leistungsfähiger sein als die alten Systeme der etablierten Versicherer. Die eigentliche Risikoträgerschaft liegt im Moment bei dem Rückversicherer Munich Re. Bei Neu-Investor Earlybird glaubt man an die Möglichkeiten der neuen Portfolio-Firma: „Die Disruption der Versicherungsbranche ist in vollem Gange und bietet großes Wachstumspotenzial“, sagt Partner Christian Nagel.