Gründer in der Gesundheitsbranche wollen nicht nur Patienten überzeugen – sondern auch Investoren.

Die WHO und das Robert-Koch-Institut sind sich einig: Nie lebten die Menschen in Europa gesünder. Sie rauchen weniger, achten verstärkt auf die richtige Ernährung und treiben regelmäßiger Sport.

 Gute Zeiten also für junge Unternehmen, die sich in dieser Branche etablieren wollen. Von Gesundheits-Apps über Experten-Foren und virtuelle Selbsthilfegruppen bis hin zu Visite und Sprechstunden via Videotelefonie – die Angebote sind vielfältig.

Diese sieben Start-ups wollen mit ihren Ideen überzeugen.

TeleClinic

Stellen Sie sich vor, Sie sind krank, aber kein Arzt ist in der Nähe. Genau hier setzt das Start-up TeleClinic an. Per Videoanruf oder telefonisch können sich Patienten von Allgemeinmedizinern und spezialisierten Fachärzten beraten lassen, und zwar an sieben Tagen in der Woche, von 6 bis 23 Uhr.

Der Service richtet sich an privat und gesetzlich Versicherte, aktuell übernehmen drei Krankenversicherungen die anfallenden Kosten. Alle anderen Nutzer können TeleClinic 30 Tage lang kostenfrei kennenlernen und zahlen nach Ablauf der Probezeit 30 Euro pro Konsultation, die mindestens fünf Minuten dauert. Die Rechnung erhalten sie per E-Mail.

Klara

Auch Klara setzt auf den virtuellen Kontakt zwischen Patient und Mediziner. 2013 startete es unter dem Namen Goderma und fungierte ursprünglich ausschließlich als App zum Thema Hautkrebserkennung. Inzwischen haben die Macher das Eisatzgebiet erweitert und bezeichnen sich als “WhatsApp für den Gesundheitsbereich“. Über die App können Ärzte mit Patienten kommunizieren, Untersuchungsergebnisse oder Termine mitteilen oder über Medikationen und Rechnungen sprechen. 2015 erhielten die Gründer Simon Lorenz und Simon Bolz zwei Millionen Euro, um ihr USA-Geschäft auszubauen. Unter anderem investierten Partech Ventures, Creathor Venture, Atlantic Labs, Demandware-Gründer Stephan Schambach und Heilemann Ventures. Im September 2016 sammelte Klara in einer erneuten Finanzierungsrunde zusätzlich drei Millionen US-Dollar von US-Investor Lerer Hippeau und Project A ein.

Junomedical

Das Start-up Junomedical vermittelt Patienten an Kliniken im Ausland – aus den Bereichen Zahnmedizin, Dermatologie, plastische Chirurgie und Orthopädie: Der Fokus liegt auf englisch- und deutschsprachigen Kunden, die darauf hoffen, in anderen Ländern nicht nur Geld, sondern auch Zeit zu sparen. Hinsichtlich der Qualität unterscheide sich die Behandlung oft gar nicht von derjenigen in den Heimatländern der Kunden, betont Gründerin Sophie Chung, die selbst Ärztin ist. Das Unternehmen startete im November 2015 und wird von Project A Ventures gefördert.

Tinnitracks

Tinnitus ist mittlerweile fast schon eine Volkskrankheit. Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland leider darunter innerhalb eines Jahres. Das Hamburger Medizintechnologieunternehmen Sonormed, das hinter dem Start-up Tinnitracks steckt, hat ein Konzept entwickelt, um dieses Problem zu behandeln. Es setzt dafür auf die Lieblingsmusik der Nutzer. Diese wird über die Webseite auf ihr Therapiepotenzial geprüft, die individuelle Tinnitus-Frequenz aus den Musikstücken herausgefiltert. Das Ziel: Durch das Hören der bearbeiteten Musikstücke sollen die überaktiven Nervenzellen im Hörzentrum gehemmt und die wahrgenommene Lautstärke des subjektiven Tinnitus-Tons spürbar verringert werden. Die Investoren jedenfalls sind vom Konzept überzeugt: Anfang 2015 erhielt das Start-up den Gründerpreis der SXSW-Konferenz in Texas. Wenige Monate später investierten in einer Serie-A-Finanzierung der High-Tech Gründerfonds (HTGF), der Innovationsstarter Fonds Hamburg, die Quotas Beteiligungs GmbH und Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz in das Unternehmen.

 

MyTherapy

Eine ähnliche App ist MyTherapy. Mit dem kostenlosen Angebot will das Münchener Start-up smartpatient, das 2012 von Sebastian Gaede, Philipp Legge und Julian Weddige gegründet wurde, Patienten an die regelmäßige Einnahme ihrer Medikamente erinnern und so die Einhaltung der Therapieziele gewährleisten. Die App soll zudem eine Übersicht über die wichtigsten Werte garantieren und so den Gesundheitszustand gezielt verbessern. Partner des Unternehmens sind unter anderem die Berliner Charité und das Klinikum rechts der Isar in München.

BetterDoc

Die Suche nach dem passenden Arzt dauert oftmals länger als der Besuch beim Mediziner selbst. Die meisten Menschen vertrauen dabei auf Empfehlungen aus ihrem Freundes-und Bekanntenkreis. Doch was ist, wenn man in eine fremde Stadt gezogen ist und vor Ort niemanden kennt? Hier setzt das Online-Portal BetterDoc aus Köln an. Es will seinen Nutzern helfen, im Internet den richtigen Spezialisten für die anstehende Behandlung zu finden oder eine Zweitmeinung für den Patienten einzuholen. Die Höhe der Kosten hängt laut BetterDoc von der der Situation und Diagnose des einzelnen Patienten ab und dementsprechend vom Aufwand ab.