Ein kanadischer Wettbewerber übernimmt für mehr als 100 Millionen Dollar das Berliner Start-up. Für den Gastrofix-Gründer ist es nicht der erste Exit.

Ein Unternehmen aufbauen, es groß machen und dann für viel Geld verkaufen: Für Gründer ist ein sogenannter Exit oft eine attraktive Option. Dirk Owerfeldt ist der Schritt gerade zum wiederholten Mal geglückt – kurioserweise mit einem Start-up, das genauso heißt wie sein erstes Unternehmen. Die Rede ist von Gastrofix, einer Firma, die auf Kassensysteme für die Gastronomie spezialisiert ist.

Ursprünglich gegründet hat der Informatiker Gastrofix Anfang der 1990er Jahren in Saarbrücken. Mit seinem PC-basierten Kassensystem wächst das Start-up schnell. Doch dann kommt die New-Economy-Krise – und der geplante Börsengang wird abgesagt. Stattdessen verkauft Owerfeldt sein Unternehmen 2001 an eine italienische Firma. Zehn Jahre später wagt der Gründer einen Neustart im selben Geschäftsfeld: Er kauft die Markenrechte zurück, das neue Gastrofix setzt auf iPads und Cloud-Dienste – und kann abermals stark wachsen.

Nun trennen sich Owerfeldt, der sich 2018 aus dem operativen Geschäft von Gastrofix zurückzog und zuletzt noch Aufsichtsratsvorsitzender war, und die Mitgesellschafter von ihren Anteilen: Mindestens 101 Millionen US-Dollar (rund 90,6 Millionen Euro) zahlt der Konkurrent Lightspeed für die Übernahme, wie das kanadische Unternehmen mitteilte. Der Betrag wird demnach teils in bar und teils in Aktien gezahlt. Beim Erreichen bestimmter Ziele kann der Übernahmepreis auf bis zu 125 Millionen Dollar steigen.

140 Mitarbeiter werden übernommen

Für Lightspeed erscheint der Zukauf strategisch sinnvoll: Das Unternehmen baut so seine Präsenz in Europa aus – und gewinnt 8.000 Kunden hinzu. Gastrofix ist außer in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch in Norwegen und den Niederlanden mit eigenen Büros vertreten. Insgesamt arbeiten 140 Mitarbeiter in sieben Ländern für das Start-up mit Hauptsitz in Berlin. Im vergangenen Jahr setzte Gastrofix mehr als elf Millionen Euro um.

Wie Gastrofix auf Nachfrage von WirtschaftsWoche Gründer mitteilte, sollen alle Mitarbeiter übernommen werden. Auch das Management-Team bleibe an Bord. Die Marke Gastrofix soll den Angaben zufolge zunächst bestehen bleiben, später dann aber in Lightspeed aufgehen.

Unter den bisherigen Gesellschaftern von Gastrofix ist auch Radeberger. Die Brauerei-Gruppe ist Anfang 2017 bei dem Start-up eingestiegen. Weitere Geldgeber waren die VC-Firmen Endeit Capital und Entrée Capital. Insgesamt hat Gastrofix seit der Neugründung 19 Millionen Euro an Wagniskapital aufgenommen.

Umkämpfter Markt

Die Übernahme kommt aus Sicht der Unternehmen zu einem „idealen Zeitpunkt“. Viele Händler und Gastronomen in Deutschland stünden gerade vor einer Modernisierung ihrer Kassensystem. Treiber ist das Anfang des Jahres in Kraft getretene neue Kassengesetz, mit dem unter anderem die umstrittene Bonpflicht verbunden ist. Gastrofix kooperiert mit dem Druckerhersteller Epson, um die Vorgaben zu erfüllen.

Den Markt für Kassensysteme bearbeiten auch andere deutsche Start-ups. Ein direkter Konkurrent von Gastrofix ist Orderbird. Das ebenfalls in Berlin ansässige Unternehmen hatte sich zuletzt Anfang des vergangenen Jahres eine neue Millionenfinanzierung gesichert. Zu den Investoren gehört Carsten Maschmeyers Investmentfonds Alstin. Bereits 2016 war der Handelskonzern Metro eingestiegen, der das Start-up auch beim Vertrieb unterstützt. Auf das iPad als Kasse setzt auch Tillhub. Mit Ready2order kommt ein weiterer Konkurrent aus Wien.