Im Elevator Pitch der WirtschaftsWoche treten heute die Gründerinnen von Frischepost, Juliane Willing und Eva Neugebauer, an. Ihr Start-up erleichtert Landwirten die direkte Vermarktung ihrer Produkte. Wie urteilt die Investorin?

Eva, Juliane, ihr habt eine Minute im Fahrstuhl mit einem möglichen Geldgeber. Wie lautet euer Elevator Pitch?
Wir liefern Lebensmittel, die von Landwirten und Manufakturen in der Region hergestellt werden, direkt an Privat- oder Firmenkunden in der Stadt. Für die Produzenten sind wir eine Direktvermarktungsplattform mit fairen Preisen. Und unsere Kunden müssen nicht aufs Land fahren, um nachhaltige Lebensmittel zu kaufen. Von uns bekommen sie Obst, Fleisch, Backwaren, Naturkosmetik – den kompletten Wocheneinkauf. Die Landwirte liefern die Ware in unser Hamburger Lager, wir konfektionieren die Produkte und liefern sie in Mehrwegboxen per E-Autos aus. Seit Ausbruch des Coronavirus  stellen wir die Bestellung vor der Haustür ab.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Jule ist im Landwirtschaftsbetrieb aufgewachsen, hat erlebt, dass ihr Vater keine Zeit hatte, um die selbst produzierte Ware direkt zu vermarkten. Dabei hätte er da bessere Preise erzielt.

Und wie verdient ihr damit Geld?
Wir kaufen und verkaufen Ware und nehmen eine Marge. Inzwischen lizenzieren wir auch unsere Plattform und Marke, sodass andere Regionen Frischepost-Zentren aufbauen können.

Eure Kultur ist:
a) perfektionistisch wie bei Apple
b) nerdig wie bei Google
c) gnadenlos wie bei Uber
d) …Die ist offen, direkt, und jeder bei uns brennt für die Sache.

Wie sieht es mit Vielfalt in eurem Unternehmen aus?
Wir haben je 50 Prozent Frauen und Männer sowie sechs Nationalitäten im Team und eine Altersspanne von 18 bis52 Jahre. Auch haben wir Technik-Nerds, Leute, die gern mit Menschen arbeiten, und Analytiker.

Was war euer größter Rückschlag?
Es war extrem schwierig, ein Mehrwegsystem für unsere Boxen und Produkte aufzubauen. Wir hätten nicht erwartet, dass das so komplex und aufwendig ist.

Wo steht ihr in fünf Jahren?
Dann sind wir in allen in deutschen Ballungsgebieten über unser Lizenzmodell vertreten und auch schon in ersten Städten im europäischen Ausland.

Fakten zum Start-up

Kunden: 10.000 Privatkunden, 250 Firmenkunden, zwei Lizenznehmer
Finanzierung: Privatinvestoren und Gründerstipendien
Gründung: 2015 in Hamburg
Mitarbeiter: 77

Würde der Profi investieren?

Idee: 4/5
Geschäftsmodell: 4/5
Timing: 5/5

Urteil: „Die Coronakrise könnte das Verbraucherverhalten grundsätzlich ändern und dem Lebensmittel-Onlinehandel zum Durchbruch verhelfen. Perfektes Timing!“
Daniela Bach, Investmentmanagerin beim Bonner Wagniskapitalinvestor High-Tech Gründerfonds

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