Reden wir über Geld. In OWL sitzen viele Unternehmerfamilien, die zwar Vermögen haben, in aller Regel aber konservativ anlegen. Wie wollen Sie diese Menschen für riskante Investitionen in Start-ups begeistern?

Viele Unternehmer sind durchaus daran interessiert, Wagniskapital zu geben. Ihnen fehlt es allerdings häufig an Wissen, wie man strukturiert in Start-ups investiert. Dass man zum Beispiel in mindestens zehn Unternehmen investieren sollte, um das Risiko klein zu halten, und nicht nur in eines, das einem zufällig ein Freund empfohlen hat. Dieses Wissen können wir in der Region vermitteln. Ein anderes Problem: Manche Unternehmer befürchten, dass sie sich damit ihre eigene Konkurrenz heranzüchten und fragen nach einem Vorkaufsrecht oder gewissen Mitspracherechten. So können sie Innovationen sogar für ihre eigene Firmen nutzen, wenn Gründer das wollen.

Aber was ist das Alleinstellungsmerkmal der Founders Foundation?

Unser Ausbildungsmodell ist nicht-kommerziell, das heißt Gründer müssen keine Anteile abgeben. Zudem setzen wir auf die Stärken dieser Region im Bereich Internet of Things und Industrie 4.0. Unser erster Jahrgang des Founders Camp ist noch gemischt, mit Gründern aus allen Branchen, aber mit der Zeit wollen wir einen stärkeren Fokus auf diesen Schwerpunkt legen. Im Moment konzentriert sich der Start-up-Hype in Deutschland auf wenige Bereiche: Service-Plattformen nach dem AirBnB-Vorbild, FinTech und E-Commerce zum Beispiel. Mindestens ebenso wichtig ist es, dass wir die Digitalisierung der Industrie vorantreiben. Dort steckt ein riesiges Potenzial an Wertschöpfung, zu dem die Amerikaner noch keinen vergleichbaren Zugang haben. In OWL wird die Industrie 4.0 seit Jahren gefördert, gerade erst hat die Region einen Preis bei der Hannover Messe gewonnen. Für Startups ist das ein ideales Umfeld.

Laut dem Deutschen Start-up Monitor 2015 hatten nur 0,5 Prozent der neu gegründeten Startups einen Fokus auf Internet of Things. Wie wollen Sie das ändern?

Das ist natürlich viel zu wenig. Der Gründergeist in Deutschland ist schon sehr gewachsen, aber wir erreichen noch zu wenige Studierende aus technischen Studiengängen. Wir bilden tolle Techniker und tolle Ingenieure aus, aber oft fehlt ihnen das unternehmerische Denken, um ihre zum Teil sehr guten Ideen dann auch zu vermarkten. Die Founders Foundation wird daher eng mit den Hochschulen in der Region zusammenarbeiten. Außerdem wollen wir Young Professionals ansprechen, also Menschen, die schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Dabei können wir von unserer dezentralen Struktur profitieren: Bielefeld ist zum Beispiel bekannt für seinen Robotik-Schwerpunkt und das Exzellenz-Cluster für Kognitive Interaktionstechnologie, Paderborn für seine ITler. Wir wollen Menschen aus allen Standorten der Region vernetzen.