Mit einem Kaugummi, das nicht nur schmeckt, sondern auch die Umwelt schont, konnte Thomas Krämer gleich vier Löwen überzeugen, doch er schlug deren Angebot aus. 

Mit Kaugummis die Welt verbessern? Mit diesem Ziel betrat heute Abend der Kölner Thomas Krämer die Höhle der Löwen. Um seine Mission zu erfüllen – und um 300.000 Euro zu erhalten – überraschte er die potentiellen Geldgeber mit der Information, dass ein herkömmliches Kaugummi zum großen Teil aus Polyvinylacetaten besteht, also synthetischen Stoffen, aus denen auch Plastikflaschen oder Autoreifen hergestellt werden. „Wenn man auf Kaugummi kaut, kaut man auf Plastik“, so der Gründer. Und weiter: „580.000 Tonnen Kaugummi werden weltweit jedes Jahr gekauft, gekaut und wieder ausgespuckt. Bis zu 80 Kaugummis kleben in Deutschland an belebten Plätzen auf einem Quadratmeter Straße. Circa 900 Millionen Euro geben die Kommunen jedes Jahr aus, um Gehwege von Kaugummi zu reinigen.“

Die Überraschung war – wie erhofft – groß. Ebenso das Interesse der Löwen an Forest Gum. Gleich vier von ihnen wollten in das Start-up einsteigen, das biologisch abbaubare Kaugummis aus rein pflanzlichen Zutaten produziert. Dafür wollten die Löwen allerdings mehr als die angebotenen zehn Prozent, was wiederum Thomas Köhler nicht schmeckte.

Herr Krämer, Sie hatten vier Angebote auf dem Tisch, am Ende verließen Sie die Höhle der Löwen trotzdem ohne Deal. Wie oft haben Sie Ihre Entscheidung seit der Aufzeichnung bereut? 
Auf die Zuschauer mag diese Wendung krass wirken, aber tatsächlich habe ich mich im Nachhinein nicht einmal geärgert. Ich hatte mir vorab ganz genau überlegt, wie viele Prozent meines Unternehmens ich abgeben würde, und wie viel Prozent ich auch meinen bereits vorhandenen Gesellschafter zumuten kann ohne Sie vor den Kopf zu stoßen.

Apropos vor den Kopf stoßen. Carsten Maschmeyer entschied sich auszusteigen, als Sie nicht bereit waren vor laufenden Kameras den Produzenten Ihrer Kaugummis zu nennen. 
Ich verstehe die Neugier der Löwen, aber auch an dieser Stelle werfe ich mir nichts vor. Ich habe ganz bewusst entschieden den Produzenten nicht preis zu geben. Ich habe lange gebraucht einen passenden Hersteller zu finden – ein familiengeführtes Unternehmern, das meine Vision teilt und dem ich voll vertrauen kann. Jetzt, wo das gelungen ist, ist dieser Ort für mich ein Teil unserer Firmen-DNA und die ist naturgemäß geheim.

Wie sehr hat Sie der Verzicht finanziell getroffen?
Das Geld stand nicht im Vordergrund, denn wir waren bereits vor der Aufzeichnung im Mai gut aufgestellt und können momentan aus uns selbst heraus wachsen. Finanziert habe ich Forest Gum bisher mit eigenem Geld sowie mit dem Investment von Unternehmern und Freunden. Außerdem haben wir Unterstützung von der örtlichen Bank und der Bürgschaftsbank NRW erhalten. Das heißt aber nicht, dass wir zukünftig nicht offen für den Einstieg eines Investors wären. 

Vielleicht auch um eine Internationalisierung voranzutreiben?
Aktuell wollen wir erst einmal den deutschen Markt aufrollen, zurzeit gibt es uns an rund 2500 Verkaufsstellen. Anschließend sollen der deutschsprachige Raum und die Benelux-Länder folgen und wir können uns auch sehr gut vorstellen Forest Gum weltweit zu verkaufen. Schon jetzt bekommen wir Anfragen aus den verschiedensten Ländern, von Kanada über Mexiko bis hin zu den USA. Und sogar aus Singapur hat sich jemand gemeldet, was wir etwas merkwürdig fanden, weil dort ja eigentlich ein absolutes Kaugummiverbot herrscht Aber: Wir haben keine Eile, wir gehen alles langsam an.

Woher kommt diese Ruhe?
Das liegt sicherlich daran, dass schon die Entwicklung von Forest Gum mit einer Zeitspanne von sechs Jahren ziemlich lange gedauert hat und ich es so gewohnt bin geduldig zu sein.

Sechs Jahre?
Die Idee zum Kaugummi kam mir tatsächlich in einer Vorlesung an der TU München, wo ich nach meinem BWL-Studium und einigen Jahren in der Autoindustrie noch Forstwirtschaft und ökologische Landwirtschaft studiert habe. Mein Professor sprach damals über verschiedene Pflanzensäfte und erzählte, dass in manchen Ländern daraus sogar Kaugummi gemacht wird. Das fand ich total spannend und habe angefangen mich mit dem Thema zu beschäftigen. 
Ich habe in meiner heimischen Küche eigene Kaugummis gemacht und bin viel gereist, um Bauern zu treffen und die verschiedene Säfte zu testen. 

Wie schmeckte das allererste selbstgemachte Kaugummi?
(lacht) Um Welten schlechter als Forest Gum. Und nicht nur der Geschmack, sonder auch das Schaffen der perfekten Kaukonsistenz war echt eine Herausforderung. Die Zutaten zerfielen anfangs im Mund zu Einzelstücken und einer unserer Tester, der eine Zahnprothese trug, bekam das Kaugummi nicht mehr davon ab.

Verraten Sie uns zuletzt noch, wer der typische Forest Gum Kunde ist? Sind das Leute, die wert auf Umwelt und Nachhaltigkeit legen?
Den typischen Kunden gibt es gar nicht, denn ich halte unser Produkt  für massentauglich und nicht für ein Nischenprodukt. Es spricht definitiv nicht nur Menschen an, die sich in einem Öko-Kontext bewegen und sich schon länger mit diesen Themen schädigt haben. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt davon, dass eigentlich jeder gleich reagiert, wenn er hört, dass herkömmliche Kaugummis aus Plastik und Erlös bestehen – und zwar mit Ekel. Und darum denke ich, dass das Thema in Zukunft noch präsenter in den Köpfen wird und der Markt an sogenannten ´Natural Kaugummis´ in den kommenden Jahren stark wachsen wird.