Zwölf Jahre nach der Gründung holt sich das Start-up Wachstums-Investoren an Bord. Beim Vertrieb setzen die Linzer auf ein Bündnis mit Celonis.

Sind erste Investoren an Bord, geht es in der Start-up-Welt oft schnell: Vorausgesetzt das Geschäftsmodell funktioniert, folgt typischerweise nach zwei Jahren eine sogenannte Series-A-Finanzierungsrunde mit dem Ziel, das Wachstum voranzutreiben. Robert Hutter und Roland Hemmelmayr haben sich von dieser Erwartungshaltung nie treiben lassen: Gegründet haben sie ihr Softwareunternehmen FireStart 2008 – doch nach einer Anschubfinanzierung drei Jahre später tat sich an der Investorenfront erst einmal nichts.

„Unser Fokus lag darauf, organisch zu wachsen und mit jedem neuen Kunden unsere Technologie zu verbessern“, sagt FireStart-Chef Hutter. Mit dem eher gemächlichen Tempo soll es nun aber vorbei sein: Wie das in Linz gegründete Start-up, das sich selbst als „Scale-up“ bezeichnet, jetzt bekannt gab, hat FireStart in einer Series-A-Runde gerade vier Millionen Euro eingesammelt. Das Ziel: Ein Team für das Büro in den USA soll aufgebaut werden – und auch Großbritannien und die Benelux-Länder stehen auf dem Expansionsplan.

Digitaler Blutkreislauf

Das Timing ist günstig: FireStart hilft mit seiner sogenannten Business Process Management Suite Unternehmen dabei, Geschäftsprozesse wie die Rechnungsbearbeitung, die Produktentwicklung oder die Vertragserstellung zu digitalisieren und zu automatisieren. Die Abläufe sollen dadurch nicht nur effizienter, sondern auch flexibler werden. „Die Digitalisierung und Prozessflexibilisierung haben viele Firmen immer auf die lange Bank geschoben“, sagt Hutter. „In der Corona-Krise hat sich nun gezeigt, wie wichtig Agilität ist.“

Rober Hutter, Foto: FireStart

Rober Hutter, Foto: FireStart

Mit der Software des aktuell 50 Mitarbeiter großen Start-ups lassen sich in einem ersten Schritt Prozesse visuell modellieren und Verantwortlichkeiten genau festlegen. Ein Beispiel: Geht in einem Online-Shop eine Bestellung ein, muss eine Rechnung erstellt werden, der Versand ausgelöst werden und der Warenbestand aktualisiert werden. In einem zweiten Schritt lassen sich für die einzelnen Schritte entsprechende Aufgaben für Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen definieren. Diese können schließlich auch automatisiert werden. Hutter bezeichnet FireStart gerne als „digitalen Blutkreislauf für Unternehmen“, die verbundenen Organe sind in der Metapher Softwaresysteme etwa von SAP oder Microsoft.

Ehepaar Achleitner unter den Investoren

Aktuell nutzen nach Angaben des Gründers mehr als 150 Unternehmen FireStart. Zu den Referenzkunden gehören unter anderem der Schmuckhersteller Swarovski, die Lebensmittelmarke Manner und Mittelständler wie der Magnethersteller MS Schramberg oder der Sockenproduzent Falke. „Wir haben Know-how und Best Practices für die Prozesse in mehr als 20 Branchen gesammelt“, sagt Hutter. Noch in diesem Jahr werde die Software einfacher zugänglich: Dann werde das Start-up ein Cloud-Angebot starten – FireStart muss dann nicht mehr von den Unternehmen selbst installiert und eingerichtet werden.

Die Strategie der Linzer hat unter anderem Paua Ventures aus Berlin und Capital300 aus Wien überzeugt. Neben den institutionellen Personen waren an der Finanzierungsrunde prominente Business Angels beteiligt. Darunter: der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, und seine Frau Ann-Kristin Achleitner, die Professorin für Wirtschaftswissenschaften an der TU München ist. Unter den FireStart-Investoren ist zudem Charlie Songhurst, ehemaliger Strategiechef von Microsoft.

Enges Bündnis mit Celonis

Ein wichtiger Partner ist das Münchener Software-Start-up Celonis, das bei seiner letzten Finanzierungsrunde mit 2,5 Milliarden Dollar bewertet wurde: Die Produkte werden oft zusammen vertrieben – denn sie ergänzen sich. Celonis ermöglicht es Unternehmen, bestehende Prozesse zu identifizieren und zu analysieren. FireStart baut darauf auf. Im Fokus steht dabei die Entwicklung optimaler Prozesse. Sollen diese automatisiert werden, kommt ein weiteres Partnerunternehmen ins Spiel: UiPath. Das US-Unternehmen ist auf sogenannte Softwareroboter spezialisiert.

Die Automatisierung von Vorgängen im Unternehmen treiben derzeit auch andere B2B-Start-ups voran. Bryter aus Berliner beispielsweise zielt mit seiner Software auf Entscheidungsprozesse vor allem im juristischen Bereich – und verspricht, dass Kunden alles ohne Programmierkenntnisse einrichten können. FireStart dagegen will IT-Entwicklern trotz der visuellen Konfiguration Möglichkeiten bieten, in die Systeme einzugreifen. Hutter spricht deswegen von einer „Low-Code-Plattform“. Komplexe Aufgaben ließen sich bei Bedarf über entsprechende Scrips lösen.