Wer an die Start-up-Szene denkt, verbindet sie oft mit Berlin, erst danach folgen München oder Köln. Ein Fehler, wie diese Finanzierungsrunden zeigen.

Von Johanna Küppers

Vor allem Berlin gilt als das perfekte Start-up-Biotop. Aber Gründen geht auch abseits der Hauptstadt: „In Zeiten der Globalisierung spielen insbesondere Ballungsgebiete für Gründungsaktivitäten eine große Rolle, da gerade hier die Voraussetzungen für wissensintensive Dienstleistungen und forschungsintensive Industrien bestehen“, heißt es im Deutschen Start-up Monitor 2014. Kurze Wege, Netzwerke, ein großes Angebot an Fachkräften, soziale und kulturelle Faktoren sowie eine positive internationale Außendarstellung werden als mögliche Einflussfaktoren genannt, die eine Gründerregion beeinflussen.

Das muss nicht immer gleich die Provinz sein, wie verschiedene Finanzierungsrunden aus diesem Jahr zeigen. Auf den folgenden Seiten stellt WirtschaftsWoche Gründer einige Start-ups aus Köln, Hamburg, München und Frankfurt vor, diese in diesem Jahr schon große Beträge eingesammelt haben, und erklärt, was diese mit dem Geld vorhaben.

Giant Swarm (Köln)

Das Rheinland steht in puncto Start-ups schon lange nicht mehr hinten an. Das beweist das zwölfköpfige Team des Start-ups Giant Swarm in Köln. Gegründet wurde das Unternehmen unter anderem von Seriengründer Oliver Thylmann, der bereits die Start-ups Ligatus, Ormigound, Catalyst Zero und Adcloud gründete. Das Team von Catalyst Zero nahm Thylmann mit in sein neues Projekt auf.

Im März schloss das Start-up eine erfolgreiche zweite Finanzierungsrunde. Insgesamt flossen 1,2 Millionen US-Dollar. Die erfolgreiche Seed-Finanzierung erfolgte mit 1,1 Millionen US-Dollar bereits im Juli 2014.

Neben den Gründern steckten unter anderem Oliver Thylmann, dessen Bruder sowie Henning Lange, Stefan Glaenzer und auch die BoxGroup, ein Venture Capital aus New York, Geld in das junge Unternehmen.

Das Start-up arbeitet an einer Mircoservice Infrastruktur, die vor allem für Entwickler nützlich sein soll. Konkret bauen sie eine Infrastruktur für Rechner großer Unternehmen, sodass diese sich weitgehend selbst verwalten können. Das soll vor allem Zeit sparen.

StyleLounge (Hamburg)

Auch das Hamburger Unternehmen Stylelounge feiert Erfolge: Erst im vergangenen Jahr gegründet, sammelte es bei seiner Serie-A-Finanzierungsrunde 2,3 Millionen Euro ein. Beteiligt sind unter anderem TA Ventures, Axivate Capital, ASTUTIA Ventures und mehrere Family Offices.

Seit Anfang 2015 bietet das Start-up auf seiner Plattform einen Preisvergleich und einen Verfügbarkeitscheck für Mode- und Lifesytleartikel. Über 100 Online-Shops mit mehr als einer Millionen Produkte können nach Preis und weiteren Kriterien gefiltert werden.

Hinter der Plattform steckt die SNM Style Net Media GmbH. Rund um Geschäftsführer Johannes Heinen arbeitet ein 40-köpfiges Team an einem reibungslosen Ablauf. Das Portal wird durch die Beiträge der Shops finanziert, die durch das Angebot neue Kunden gewinnen. Im Juni hat das Start-up bereits in Frankreich und den Niederlanden gelauncht, bis Jahresende sollen weitere Länder hinzukommen. Das frische Kapital soll für das Wachstum und die Expansion des Start-ups genutzt werden.

Cobi (Frankfurt)

Das Bike-Start-up Cobi wurde in Frankfurt am Main gegründet. Auch wenn die Stadt nicht die gleichen Voraussetzungen hat, wie Berlin oder München, zeigt Cobi, dass es trotzdem möglich ist, erfolgreich zu sein. Das  2014 gegründete Unternehmen bekam im April diesen Jahres eine Finanzierungsrunde in Höhe von vier Millionen Euro. Investiert haben unter anderem Capnamic Ventures, Iris Capital und Creathor Venture.

Schon im vergangenen Dezember sammelte das Start-up überraschenderweise 400.000 US-Dollar über Kickstarter ein. Bei der neuen Finanzierungsrunde haben sich auch die Privatinvestoren aus der Seed-Finanzierung erneut beteiligt.

Das Unternehmen entwickelt eine smarte Steuerzentrale für Fahrräder. Mit den modularen Systemen können Fahrräder digital aufgerüstet werden. Die sogenannten Smart-Bikes verfügen dann über eine Konstruktion bestehend aus einem Smartphone, einer darauf installierten App und einer Halterung am Fahrrad. Für den Kunden stehen damit Funktionen wie Navigationssystem, Bremslicht, Diebstahlsicherung und diversen Online-Dienste zur Verfügung.  Cobi wird das frische Kapital für die Produktion sowie zum Aufbau von Vertrieb, Marketing und Kundenservice nutzen. Das Produkt wird ab Herbst auf dem Markt erhältlich sein.

Leon-nanodrugs (München)

Das Münchener Start-up leon-nanodrugs bekam Ende Juli 18,5 Millionen Euro über eine Serie-A-Finanzierungsrunde. Zu einem späteren Zeitpunkt soll eine zusätzliche Tranche von drei Millionen Euro von einem chinesischen Investor kommen. Damit beliefe sich das Gesamtvolumen auf 21,5 Millionen Euro.

Das Unternehmen bietet medizinische Ausstattung. Es wurde 2011 von einer Gruppe erfahrener Spezialisten für Arzneimittel gegründet. Die internationale Finanzierungsrunde wurde vom Münchner Fondsanbieter TVM Capital Life Science angeführt. Außerdem haben sich beteiligt: Signet Healthcare Partners (USA), LifeCare Partners (Schweiz), CD-Venture (Deutschland), Albany Private Equity Holding (Australien) und ein nicht genanntes deutsches Family Office. Für den weltweit tätigen Kapitalgeber TVM in München ist es das erste Investment in ein deutsches Unternehmen seit 2009.

Mit dem neuen Kapital wird das Servicegeschäft weiter ausgebaut. Außerdem möchte man in Co-Entwicklungsgeschäfte mit Partnern der Pharmaindustrie investieren.

Protembis (Hamburg)

Im Juli dieses Jahres schlos das Hamburger Start-up seine Seed-Finanzierung ab und erhält einen siebenstelligen Betrag von den Geldgebern. Ihre Arbeit konzentriert sich auf ein Modell, welches Protembo Device genannt wird und das Risiko von Schlaganfällen während einer Herzoperation verringern soll.

Das 2013 gegründete Start-up kooperiert mit der RWTH Aachen. Mit dem frischen Kapital soll die Entwicklung des Prototypen vorangebracht werden. Durch die beiden Standorte ist ein gutes Netzwerk entstanden. Das Team sieht dies als sehr zielführend, wenn es um die Weiterentwicklung und den Vertrieb des Produktes geht. Die ersten vorklinischen Versuche sind für Anfang 2016 geplant. Marktreif wird das Produkt wohl erst in drei bis fünf Jahren sein.

Advancecor (München)

In medizinische Produkte wird gerne investiert. Ein gutes Beispiel dafür ist das das Start-up Advancecor. Dieses entwickelt Arzneimittel mit dem Schwerpunkt entzündlicher Mechanismen bei Atherosklerose. Im August 2015 konnte sich das Unternehmen nun in einer zweiten Finanzierungsrunde 2,2 Millionen Euro sichern. Der Sitz des Start-ups ist in Martinsried bei München.

Die MIG AG ist Hauptinvestor, beteiligt haben sich aber außerdem Bayern Kapital, Bio-M, der Hightech-Gründerfonds und die KfW Bank. Die neuen Möglichkeiten werden Advancecor weitere Patienten-Studien finanzieren. Der CEO, Götz Münch, freut sich sehr über die Beteiligung: „Diese weitere Finanzierung ermöglicht uns, unsere klinischen Entwicklungsprojekte in einer zweiten Studie in weiteren Indikationen auszuweiten. Damit erhöhen sich die Chancen, die Firma gemeinsam mit den Investoren zu einem Erfolg zu führen.“