Das Unternehmen will Marihuana-Blüten aus Osteuropa beziehen – und so die steigende Nachfrage nach medizinischem Cannabis bedienen.

Ende Dezember erst hat Farmako seine Anschubfinanzierung vom Berliner Company Builders Heartbeat Labs bekommen, nun erreicht das von Sebastian Diemer gegründete Cannabis-Start-up einen neuen Meilenstein: Farmako hat mit dem polnischen Unternehmen Pharmacann einen Vertrag über den Import von 50 Tonnen pharmazeutischem Cannabis abgeschlossen. Nach Angaben des Start-ups ist das der weltweit umfangreichste Importvertrag. „Die Kooperation hilft uns, die drastische Versorgungslücke in Deutschland zu schließen“, sagte Farmako-Geschäftsführer Niklas Kouparanis im Gespräch mit WirtschaftsWoche Gründer. Bisher sei der Markt zu nur rund 40 Prozent abgedeckt.

Tatsächlich klagen Apotheker, dass sie die wachsende Nachfrage von Patienten derzeit kaum bedienen können. Zwar gibt es eine wachsende Zahl von Start-ups, die medizinisches Cannabis importieren. Doch setzen sie alle auf Lieferanten aus den Niederlanden und Kanada – aber dort steigt auch die heimische Nachfrage. So ist der Konsum von Marihuana in Kanada seit Oktober auch für Freizeitzwecke freigeben.

Anbau in Mazedonien

Als nach eigenen Angaben erstes deutsches Unternehmen will Farmako nun Marihuanablüten und Cannabis-Öle aus Polen importieren. Dort ist medizinisches Cannabis wie in Deutschland seit 2017 legal, auch den Export habe die polnische Regierung nun genehmigt, erklärt Kouparanis. Produzieren lasse Pharmacann in Mazedonien – dort werden die Pflanzen in Hallen angebaut und weiterverarbeitet. „Die Qualitätsstandards in Mazedonien sind mindestens so hoch wie in Kanada.“ Zudem lägen die Kosten deutlich niedriger als bei kanadischen oder niederländischen Lieferanten.

Die vereinbarte Liefermenge von 50 Tonnen bezieht sich auf einen Zeitraum von vier Jahren. Außer Deutschland will Farmako auch andere europäische Länder versorgen. In Großbritannien sei die nötige Lizensierung fast abgeschlossen, auch in Dänemark habe das in Frankfurt ansässige Start-up die nötigen Genehmigungen beantragt, so Kouparanis. Weitere Länder sollen folgen.

Deutsche Apotheken beliefert Farmako seit Anfang des Monats – bislang mit Cannabisblüten aus den Niederlanden. Eigenen Angaben zufolge hat das Unternehmen so bereits einen Umsatz von über 200.000 Euro erzielt. Die erste Lieferung aus Polen ist für den Juni vorgehen. Bedingung dafür ist, dass das Unternehmen die entsprechenden Importgenehmigungen erhält, die Anträge dafür will Farmako noch stellen. „Wir stehen dazu in einem guten und engem Austausch mit den deutschen Behörden“, sagt Kouparanis.

Wachsende Konkurrenz

Mit dem Deal will sich Farmako einen Vorsprung gegen Wettbewerber erarbeiten. Zu den Konkurrenten gehört etwa Cansativa aus Frankfurt, vor allem aber Cannamedical. Das Kölner Unternehmen, zu dessen Führungsteam bis Oktober auch Kouparanis gehörte, war einer der ersten Importeure von pharmazeutischem Cannabis in Deutschland. Kürzlich hatte sich Cannamedical Lieferverträge mit einem Volumen von 18 Tonnen gesichert.

Die Kooperation zwischen Farmako und Pharmacann umfasst auch eine Forschungs-Partnerschaft. Farmakos erklärtes Ziel ist es, eigene Produkte im Cannabis-Bereich zu entwickeln. Dazu gehören laut Kouparanis neue Darreichungsformen und neue Herstellungsprozesse. Denkbar ist etwa eine synthetische Erzeugung von Cannabinoiden. In diesem Rahmen hält Kouparanis auch eine Produktion in Deutschland für möglich. Um Lizenzen für den Anbau von Marihuana-Pflanze, die noch in diesem Jahr vergeben werden sollen, hat sich das Start-up dagegen nicht beworben. „Die Kosten in Deutschland sind dafür zu hoch.“